21.02.2025/25.11.2025/16.12.2025
Mein Lebensweg als Schwerhörige
Hier komme ich zu meiner „Hör-Vita“ oder „Nicht-hör-Vita“ oder „Hörkurven-Vita“, wie auch immer ;-):
1978
ca. 1981/82
ca. 1983
1984
1985
1989
1995 – 1999
2000 – 2002
2002 – 2004
ab 2004
2009 – 2010
2009
2010
Erblickte ich in Kandel in der Pfalz die Welt
Kindergartenzeit: Meiner Tante Inge vor allem fiel auf, dass ich etwas mit meinen Ohren nicht stimmt, weil ich Wörter anders aussprach oder Lieder umdichtete.
Haben auch meine Eltern realisiert, dass man das wenigstens mal überprüfen lassen könnte, bis dahin haben sie das aber nicht realisieren wollen, weil die Umdichtungen machten ja auch oft Sinn und Kinder täten so etwas ja gerne.
Darauf folgte mein erster Hörtest in Karlsruhe (nicht Vincentius-Krankenhaus)
Ich sag Euch, das waren Höllenschmerzen und ich frag mich, wer sich so etwas hat einfallen lassen! An diesen Hörtest erinnere ich mich heute noch, weil ich so weinen musste, weil er so wehgetan hat. Denn ich wurde viel zu lauten Tönen ausgesetzt, die in mein Ohr knallten und beim zweiten Test (mit diesen Knopfohrsteckern) war es auch nicht viel besser, denn es wurden sehr hohe Töne an mein Ohr gesendet, die sich wie Nadelstiche anfühlten.
Leute, wenn ich bis dahin vielleicht leichtschwerhörig war, dann kann ich mir gut vorstellen, dass durch diese Quälereien der Schaden erhöht wurde. Ich habe natürlich nur den Beweis, dass ich ohne Hörgeräte immer die Vögel habe hören können und grundsätzlich alles andere auch gut wahrnehmen konnte.
Integrationshilfe aus Frankenthal startet mit Herrn Salz und Herrn Mangold
Link für die Beratungsstelle für pädagogische Audiologie
https://pih-ft.de/beratung/beratungsstelle-fuer-paedagogische-audiologie#148
Ich weiß noch, dass ich sehr gerne dort war und sie betreuten mich auch die gesamte Grundschulzeit in Hagenbach.
Vor der Schule hatte ich Bilderbücher mit Wörtern und Bildern bekommen. Regelmäßige Termine (ich denke es war so einmal im Jahr) rundeten meine Zeit mit Ihnen ab (Hörtests und auch Entwicklungstexts).
Aber mehr Sprechtraining, bis auf dass meine Mutter sagte, ich solle nicht nuscheln hatte ich nicht.
Mein erstes „richtiges“ Sprechtraining oder meine Stimmbildung startete 2021 mit Bettina Baumann, weil ich fand, dass da noch mehr geht. Egal, wer mich im Laufe meines Lebens kennen lernte, alle waren begeistert und erstaunt über meine Aussprache. Deshalb wurde Logopädie auch nie in Betracht.
Erste Hörgeräteanpassung im Vincentius-Krankenhaus in Karlsruhe
Pädaudiologie (Hörtests, Früherkennung, Anpassung)
Klinikum: Vidia-Kliniken (neue Fusion)

(Ich habe leider kein besseres Bild gefunden und die Ohrpassstücke waren natürlich andere. Das hier waren ungefähr meine ersten Hörgeräte, die ich aber mindestens bis zum Ende meiner Schullaufzeit getragen habe: Mit Rädchen für die Lautstärke, einfachem Kippschalter für An und Aus, Batteriefach unten und zwischen Kippschalter und Lautstärkerädchen ist eine Klappe, unter der zwei kleine „Schräubchen“ zum Anpassen versteckt waren).
Hier war ich als Kind sehr oft und ich erinnere mich an die stundenlangen Wartezeiten. Der Wartebereich war schön und die Hörtests angenehmer, bis auf dieses Knopfgerät, mit der komischen Gegendruckstelle und den hohen Tönen.
Also es gab da eine schalldichte Kammer, in dem immer mal wieder Hörtests gemacht wurden (Töne/Zahlen/Wörter), aber in der Regel wurde die Hörtests mit Kopfhörer gemacht in einem normalen Raum davor (Töne) und auch die Ein-Wort-Tests und Zahlentests liefen teils über Kopfhörer, teils über Lautsprecherboxen.
Auch wichtige Erinnerung:
Nach einem Gehirnwellen-Test wollte ich nicht so schnell wieder aufwachen (wegen der Narkose). Jedenfalls haben sie sich schon Sorgen gemacht.
Grundschule Hagenbach
Einschulung mit „Mikroport-Anlage“ von Sennheiser
So sahen sie aus:

Also eins davon hat die Lehrerin/der Lehrer bekommen und ich habe eins mit den Kabeln und Schuhen getragen.
Der zweite Teil, der wichtig war, war dass Herr Salz und Herr Mangold in die Schule gekommen sind und einmal mit den Klassenlehrern gesprochen hat, was für mich die beste „Tischaufstellung“ wäre. (Das war die U-Form damals)
In der Theorie sah das so ganz gut aus, aber in der Praxis eher ganz anders:
Die ersten beiden Schuljahre haben die Lehrer die Anlage gar nicht tragen wollen, sie stand also im Eck und wurde einmal sogar geklaut, so, dass da eine Neue gekauft werden musste und die U-Formatierung der Tische wurde auch nicht umgesetzt.
Meine Mutter kam sogar mal in die Schule, um zu fragen, warum ich in Religion eine 3 hätte, während ich in den anderen Fächern nur sehr gute Noten hatte, da hat die Lehrerin gemeint, dass ich nicht so gut mitmachen würde.
Da hat meine Mutter gefragt: „Sie wissen doch, dass meine Tochter schwerhörig ist.“ Darauf hat die Lehrerin erwidert, dass sie das nicht gewusst hat und da wurde dann meine Mutter wütend, weil sie sagte, dass sie doch extra eine Mikroportanlage hier stehen hat und damit kam dann auch raus, dass ich fast nicht damit gearbeitet habe und die Lehrer auch nicht.
Ich habe sie auch nicht gerne getragen, weil die Schüler alle komisch geschaut haben und es mich auch ausgrenzte und dadurch, dass die Lehrer unwillig mitmachten oder gar nicht, wozu sollte ich dann meine tragen?
Also in der Theorie fand ich sie gut, solange der Lehrer nach vorne schaute und es war mir auch bei den Diktaten eine Hilfe, aber in der Praxis… kam sie selten in Einsatz.
Man hat einfach „vergessen“, dass ich nichts höre…
Besonders hat man das dann im Schwimmunterricht gemerkt:
Da ist ein Mädchen mit Schwimmflügeln ins Schwimmbecken auf mich gesprungen und weil es keinen Boden unter den Füßen hatte, hat es sich an mich vor Furcht geklammert, weil es Angst vor dem Ertrinken hatte (mit Schwimmflügeln) und der Lehrer gab uns Instruktionen vom Rand aus, während ich die war, die fast ertrunken wäre.
Er ist dann irgendwann ins Wasser gesprungen und hat uns dann getrennt und ich weiß nicht wieso, wurde ich bestraft und musste dann auf der Treppe sitzen.
Ich denke, so aus der Erwachsensicht von heute, dass er einfach überfordert war und selbst einen Schreck bekommen hat. Aber damals fühlte ich mich ungerecht bestraft, weil das Mädchen mit den Schwimmflügeln ja weiter schwimmen durfte.
Die 3. Klasse war prima, da hatte ich eine tolle Klassenlehrerin, die mich wunderbar aufgenommen hat und unterstützte, ohne künstlich aufzutragen. Da gab es dann diese U-Formation der Tische und das Ergebnis waren 6 Einser und 7 Zweier (außer die Vier im Sport) und das waren auch keine „Mitleidsnoten“.
In der 4. Klasse hatte ich wieder so ein Klassenlehrer, der alles schwierig machte und meine Noten wurden an die „mündlichen“ Noten angepasst, die angeblich so schlecht gewesen sein müssen, dass ich mich überall verschlechterte. Schriftlich weiß ich, dass ich immer noch sehr gut war, aber ach… es ist ja auch für Normalhörende oft schwierig, mit den „bestimmten“ Lehrkörpern (Leerkörpern). Es gibt einfach Lehrer, die den Beruf verfehlt haben… so ist das…
Von den Schülern her wurde ich auch nicht integriert, aber da gab es halt zwei Faktoren: Meine Familie, die als Zugezogene auch nicht den richtigen „Stand“ mitbrachten und meine Schwerhörigkeit. Erst ab Ende der dritten Klasse, wurde ich zu Geburtstagen eingeladen.
Insgesamt würde ich sagen, war ich jetzt nicht totunglücklich, aber ich kannte es auch nicht anders.
Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule in Trier Schule für Schwerhörige und Gehörlose

Die Entscheidung, diese Schule zu besuchen, war für mich schnell gefallen und zwar, weil mir die Integrationshelfer gesagt haben, dass ich dort eher mal eine 5 schreiben könnte. Und das ging gar nicht! Denn bei einer 3+ hat mir meiner Mutter den Kochlöffel übergezogen, wie soll das dann erst bei einer 5 werden?
Insgesamt gibt es viele Kriterien, die für die Schule und das Internat gesprochen haben und viele, die aus meiner Sicht früher und heute dagegen gesprochen haben.
Meine persönlichen Erfahrungen/Gedanken findet Ihr hier:
Doch hier schon einmal eine grobe Übersicht:
Es war für mich hörtechnisch gesehen eine sehr gute Schule, weil wir dort nur 7 Schülerinnen und Schüler waren, die in einer „Bogen-Tisch-Formation“ vor den Lehrern gesessen haben. Die Räume sind natürlich entsprechend schallgeschützt aufgebaut gewesen, also mit Lochziegeln an den Wänden, Teppich, etc.
Dort hatten wir allerdings keine Mikroport-Anlagen. Da die Lehrer aber alle deutlich gesprochen haben (keine Gebärdensprache, ich war auch im Realschulbereich untergebracht, für die Gehörlosen gab es Extraklassen und dort gab es dann auch zumindest begleitende Gebärdensprache), war diese nicht nötig.
Die Schule war in folgende Klassengruppen aufgeteilt:
Grundschule
Klassen für Gehörlose (G)
Klassen für Hauptschule (H, vorwiegend leicht bis hochgradig Schwerhörige)
Klassen für Realschule (R, vorwiegend leicht bis hochgradig Schwerhörige)
Klassen für Mehrfachbehinderung (MFB)
Berufsschulklassen
Heute hat es sich etwas verändert, darauf gehe ich in einem anderen Bericht ein, wenn ich ein Interview in Trier führen konnte.
Es gab Externe und Interne, also die Externen sind jeden Tag mit dem Bus gefahren und die Internen haben von Montag bis Freitag im Internat geschlafen und sind Freitag wieder nach Hause gefahren und je nach Entfernung am Sonntagabend oder am Montagmorgen wieder ins Internat gefahren. Ich war am Sonntagabend im Internat, weil ich fast am weitesten weg gewohnt habe.
Am Freitag bin ich ca. 18 Uhr zuhause gewesen und am Sonntag musste ich so ca. 17 Uhr 30 wieder von zuhause aufbrechen.
Im Internat waren wir in Mädchen/Jungen/gemischten Gruppen untergebracht. Zu meiner Zeit gab es 5 Gruppen: 1 reine Mädchengruppe, 2 reine Jungengruppen und 2 gemischte Gruppen mit jüngeren Kindern. Einen Kindergarten für Schwerhörige und Gehörlose gab es damals keinen.
Die Gruppen waren vom Schwerhörigen- und Behinderten-Grad gemischt (in Stegen war das anders, da waren sie auch in Schwerhörige und Gehörlose unterteilt).
Ich war ich der reinen Mädchengruppe untergebracht, in der Gruppe 5, und wir nannten uns „Die flotten Mäuse“.
Wir hatten entweder 2-Bett-Zimmer oder Einzelzimmer, allerdings gab es nur 2 Einzelzimmer und der Rest musste sich dann die Zimmer teilen. Das hatte Vor- und Nachteile… die ersten Jahre verbrachte ich im 2-Bett-Zimmer und ein Jahr auch im 3-Bett-Zimmer (die waren selten dort) und die letzten beiden Jahre im Einzelzimmer auf meinen Wunsch hin. Die Zimmerbelegung hat sich durchaus jedes Jahr geändert oder ändern können.
Heute sehen die Zimmer für mich so klein aus, aber damals empfanden wir sie nicht sooo klein (auch, weil wir zwischen den Betten Fußball spielten und das Tanzen geübt haben). Die Möbel waren buchenfarben und ich meine tatsächlich auch aus Echtholz, was mir sehr gefallen hat.
Das Gelände war damals umgeben von Feldern, einem „Kleinwald mit Bach“, einem Neubaugebiet, dem Uni-Laufpfad und der „Treff“ (Einkaufspassage) war auch keine 300m weiter.
Wir hatten zwei Fußballplätze, einen mit Grasboden, einen mit Gummiboden und einen Spielplatz mit einer Seilbahn und einer Burg, ein Basketballkorb war auch vorhanden und dann gab es noch eine „Rennstrecke“, einen Sandsprung-Kasten und eine Hochsprungmatte für den Schulsport.
Jedenfalls haben meine Freundinnen und ich das alles ausgiebig genutzt.
Im Internat gab es eine Disco, einen Tischtennisraum, einen Fahrradkeller, wobei da hauptsächlich kaputte Fahrräder drin waren und ich erinnere mich nicht dran, dass den jemand wirklich genutzt hätte.
Unter unserer Gruppe gab es die Hausmeisterwohnung (die armen Leute… wegen unseren Fußballspielen im Zimmer… 😉 ) und dann gab es noch eine Turnhalle, die für sich alleine stand.
Na und natürlich zur Zierde den Teich hinter der Schule, auf dem wir auch schon „Schlittschuh“ gelaufen sind (heute unmöglich, weil zugewuchert).
Alles im Allem fand ich das Gelände damals gut durchdacht, warm und kindsgerecht angelegt. Wir waren nach der Eröffnung die Ersten, die die Schule so betreten haben, davor gab es eine Schule in der Kaiserallee, die Mädchen waren im Nonnenkloster untergebracht und die Jungs „In der Olk“.
Für die, die vorher unten in der Stadt untergebracht waren, war es schlimm, dort auf den „Hügel“ verfrachtet zu werden, weil sie gewohnt waren, die Stadt vor der Tür zu haben.
Wir Neuen fanden das nicht schlimm, weil wir eine Bushaltestelle direkt vor dem Internat hatten und der Bus kam gewöhnlich alle 20 Minuten und 20 Minuten später waren wir auch schon in der Stadtmitte.
Es gab viele AGs, von denen ich mir jedes Jahr 2 – 3 ausgesucht hatte (Fußball immer und dann Tennis, Trampolinspringen, allgemein Zirkeltraining (Geräte), Tanzen (Standard und später Rock’n Roll) und zu den Sport-AGs habe ich mir dann immer noch eine AG aus der Schule ausgesucht und zwar Sopran-/Altflöte spielen und Theater.
Zusätzlich war ich mit meiner Freundin sehr oft im Hallenbad in der Stadt und fast jeden Tag spazieren oder Fußballspielen oder was auch immer… und ab der 8. Klasse bin ich noch in der Uni-Sporthalle zum Karate gegangen. Also an Möglichkeiten mangelte es mir nicht und weil ich auch aktive Freundinnen hatte, konnte ich das gut ausleben. Es gab natürlich noch weitere AGs, wie Video-Schnitt-AG oder Fotografie, etc. aber ich war halt eher der sportliche/musikalische Typ und das war auch schon genug, denn es kamen noch die ganzen Aufführungen dazu, an denen meine Freundinnen und ich sehr viel teilgenommen hatten, also man hat uns durchaus 5mal oben auf der Bühne gesehen pro Feier/Fest oder was auch immer. Das war jetzt natürlich nicht so üblich… wir sind schon sehr aus der „Menge herausgestochen“.
Sportlich hatten wir viel ausgereizt… in Trier gab es ja noch den 10-Meter-Sprungturm im Freibad und da musste ich natürlich immer rauf… zum Schrecken meiner Erzieherinnen… aber… das ist halt die Moni…
Was könnte noch interessieren?
Oh, das Essen:
Es gab jeden Tag frisch gekochtes Essen! Frisch, nix aus der Dose… und das sah man auch daran, dass wir alle schlank waren. In Stegen z.B. gab es fast nur Nudeln mit Soßen… halt das einfachste Essen überhaupt… in Trier gab es verschiedene Wochen und es gab ordentliches Fleisch und es gab immer Salat und Gemüse dazu und natürlich sehr gutes Obst, also auch nicht grad mal ne Packung aus dem Billigregal, sondern vieles stammte von Bauern aus der Umgebung (die Milch auch, eine Zeit lang).
Wenn man mal überlegt, dass wir insgesamt „nur“ ca. 50 Internatskinder waren, war es alles sehr geräumig, gut gestaltet und von allem mehr als genug vorhanden.
Mehr findet Ihr hier, denn ich finde, das war jetzt eine gute Übersicht im Bereich meiner Hör-Vita:
Staatliches sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Internat, Förderschwerpunkt Hören in Stegen bei Freiburg
https://bbzstegen.de/index.php

Nach der Realschule ging es für mich in Stegen bei Freiburg weiter, nämlich mit dem Gymnasium für Schwerhörige und Gehörlose im BBZ.
Ursprünglich wollte ich lieber eine Ausbildung angehen oder nach Essen https://www.lvr.de (Internat: https://www.diakoniewerk-essen.de/Hoerschaedigung/29-Internat+fuer+Hoergeschaedigte), aber das haben mir mein Klassenlehrer und meine Mutter ausgeredet. Sie fanden, ich solle auf die „bessere“ Schule gehen. Rückblickend und auch schon in Stegen, fand ich das überhaupt nicht gut für mich, aber vielleicht sollte es so sein, damit ich meinen Ehemann finde, mit dem ich heute noch zusammen bin.
Ich war auch so ein Fall, wo es nicht um die eigenen Bedürfnisse ging, deshalb war das für mich ein ziemlicher Bruch…
Meine persönlichen Erfahrungen/Gedanken findet Ihr hier:
Uni-Landau Studium > Erziehungswissenschaften

(Die MicroLink-Anlage von Phonak war ganz viel kleiner, als die handygroßen, aber schon recht schweren Mikroport-Anlagen von Sennheiser und man konnte sie auf den Tisch stellen, man musste sie nicht zwangsläufig tragen. Die Audioschuhe waren am Hörgerät beim Batteriefach angesteckt.)
Hörtechnisch war das eine gute Zeit, ich hatte eine neue Microlink-Anlage, die meine Profs und Dozenten bereitwillig angenommen hatten. Ich legte es einfach auf deren Pult und erklärte es nur einmal.
Ich habe es ihnen überlassen, ob sie die benutzen, weil ich viel gehört habe, dass sich viele Hörgeschädigte auf den Unis sehr durchsetzen mussten, damit sie das überhaupt einsetzten.
So dachte ich, wähle ich den Weg der Freiwilligkeit und anders, als in der Grundschule, gab es niemand, der sie nicht angenommen hat.
Sofort habe ich mich als „Sonderling“ geoutet, weil ich in der ersten Reihe bei der Begrüßungszeremonie gesessen bin, während die Normalhörenden sich alle von der letzten Reihe gezwungenermaßen abwärts drängten… zwischen mir und ihnen waren sehr viele Reihen frei…
Der Clou war, dass mir sofort nach Ende der Zeremonie von eine Kommilitonin entgegen ging (also hinter zu mir), weil sie mich so taff fand. Wir kamen ins Gespräch und schon hatte ich Anschluss gefunden.
Hörtechnisch gab es zwar noch eine Baustelle, nämlich die, dass ich nicht gleichzeitig schreiben und vom Mundablesen konnte, aber schnell haben sich welche gefunden, die mich abschreiben lassen haben.
Beste Geschichte:
Wir hatten eine Gruppenarbeit und die Kommilitonen kannte ich noch nicht, trotzdem, nachdem wir in eine Gruppe eingeteilt waren, haben sie sich selbst eine Strafe für die gesamten Wochen auferlegt, nämlich die, dass, wer das Mikrofon nicht in die Hand nimmt und wer den anderen nicht ausreden lässt, der musste dann Kekse oder Schokolade mitbringen. Ich habe denen gesagt, dass das gar nicht nötig wäre, aber sie bestanden darauf und das Fazit nachdem wir den gemeinsamen Vortrag gehalten hatten war, dass wir die einzige Gruppe waren, die eine „Gruppe“ war. Also Ihr wisst es ja schon, dass in den meisten Fällen zwei Streber die Arbeit übernehmen und der Rest kopiert und Kaugummi kaut, während die Streber das aber so wollen, weil sie sich auch profilieren wollen.
Das ging bei uns nicht… jeder musste seine Arbeit machen und vortragen und sie sagten mir am Schluss, dass es deren schönste Gruppenarbeitserfahrung war, wenn wir auch dadurch einen ticken langsamer waren, aber dafür hat jeder jedem zugehört und jeder hat sich auch als Teil der Gruppe gefühlt.
Die Keksepackungen stapelten sich gar nicht so sehr, aber manche haben dann trotzdem welche mitgebracht, weil es einfach ein gutes Miteinander war.
Ich weiß, wie schwer es anderen Schwerhörigen gefallen ist, auf der Uni zu sein, für mich war es eine tolle Zeit, in der ich viele neue Freunde kennen gelernt habe und von den Professoren und Dozenten gelobt wurde (nicht wegen meiner Schwerhörigkeit, aber sag ich mal so… die anderen haben die Quellen einfach nur „abgeschrieben“ und vorgetragen, ich habe mir grundsätzlich meine eigenen Gedanken gemacht und bisschen Würze in die Referate eingebracht. Außerdem habe die Kommilitonen gerne etwas „geärgert“, weil ich noch so frech war, Fragen einzubauen, also eine Diskussion anregte.)
Warum ich die Uni abgebrochen hatte, war überhaupt nicht meiner Schwerhörigkeit geschuldet, sondern dem Geldmangel und der „Nichtförderung“. Ich war zwar auch nebenbei arbeiten, aber das hat nicht gereicht… nach der Hälfte des Monats war einfach mein Tank leer… also das war eine andere Baustelle.
Zeitarbeitsfirma Interpres in Karlsruhe
Weil ich mir das Studium nicht leisten konnte, habe ich es abgebrochen und mir eine Arbeit gesucht. Natürlich, so ohne Ausbildung, wurde ich nur noch als Helferin eingesetzt. Hörtechnisch habe ich mich wieder gut mit den Kollegen verstanden (egal mit welchen, in der Regel war ich die einzige Deutsche und da sowieso jeder nicht so doll deutsch sprechen konnte, habe ich da supergut reingepasst und es war lustig) und auch das Arbeiten in den verschiedenen Bereichen machte mir sogar viel Spaß, wenn nicht alles davon toll war, aber da lernte ich, dass so „Küchenhilfe“ ein „ruhiger“ Job ist, um den sich niemand reißt und als unterste Kategorie konnte man ja nicht noch weiter runtertreten.
Ich habe damals 5,62 Euro Brutto/Stunde verdient und noch ein bisschen Spesen bekommen… zum Vergleich, die russischen Zeitarbeiter (die fauler waren) hatten von den anderen Zeitarbeitsfirmen mindestens 9 Euro/Stunde verdient.
Aber hey, ich kam endlich wieder über die Runden. Vielleicht hatten wir immer noch Löcher, aber es war zumindest wieder ein bisschen Hoffnung da.
Ich habe bei verschiedenen Kunden auch als Vorhut gearbeitet, also von daher haben sie mich schon „geschätzt“.
Nach 2 Jahren war aber schon wieder Schluss, weil meine Zeitarbeitsfirma insolvent gegangen ist… und vorher habe ich ein halbes Jahr Bittstellerin gespielt, weil immer was auf meinem Lohnzettel fehlte, oft die Hälfte meines Lohns.
Jedenfalls war damit mein „üblicher“ Lebenslauf beendet, denn danach wurde ich nur noch eingeladen, um gesagt zu bekommen, dass man mich nicht einstellen könne, weil ich ein „Risikofaktor“ wäre und die Arbeitsagentur hat mir mehrmals ausdrücklich gesagt, dass ich sowieso nicht mehr zu kommen brauche, weil nicht vermittelbar.
Zwischen Abitur und Studium habe ich ganze Körbe voll Bewerbungen geschrieben und nach der Zeitarbeitsfirma auch wieder… aber ich habe eh eine schlechte Blase erwischt und Unterstützung hatte ich auch keine, also von meinen Eltern oder sonst wem. Mein Mann und ich mussten ganz von unten anfangen.
Ich hatte noch die Zeitung… die hatte ich dann bis kurz vor der Geburt meiner Tochter ausgetragen (bis 2011)… und seitdem bin ich „einfach“ Mutter.
Ende des „normalen“ Lebenslaufs
So, weiter bin ich bisher nicht gekommen… dennoch war ich 2004 – 2006 noch ziemlich gut drauf, weil wir da unsere Hochzeit geplant hatten und die war eben auch nicht ganz so normal und wunderschön!
Danach ging es aber mit meinem Selbstwertgefühl drastisch bergab und so etwas wie Klassentreffen oder Sommerfeste hatte ich aus Scham gemieden.
Ich bin ja weder mit dem silbernen Löffel im Mund geboren worden, noch fand ich Unterstützer, noch konnte ich die „Angebote“ nutzen.
„Ach“, dachte ich mir , „wenn mich keiner will, dann kann ich auch ganz andere Wege suchen!“ und kehrte der „normalen“ Gesellschaft den Rücken.
So kam es, dass ich mich mit vielem beschäftigt habe, was die meisten sich nicht trauen und mit dem Buch „Banken und Banditen“, das ich eigentlich für Finanztipps und aus Neugierde kaufte, fing diese Reise an.
Ich habe mir sämtliche alternativen Lebensmöglichkeiten angeschaut, wie die Lebensinseln und fand das sehr interessant, wie man aus Müll Häuser bauen konnte, wie die Gesetzeslage für „Selbstversorger“ tatsächlich aussah und war sehr erschrocken, dass in fast allen Bereichen das Gegenteil wahr ist.
Und ich suchte mir meine Nische… meine Nische in einer Gemeinschaft leben zu können, die mich als „Schwerhörige“ auch schätzen würde.
Natürlich gibt es die „Gehörlosenvereine“, aber das war auch nicht so meine Welt.
Tja, die Winter waren am schwersten und mein Mann konnte das auch nicht mehr mit ansehen und so ließ er mich meinen Rucksack packen und eben diese „Alternativen“ suchen/anschauen.
So reiste ich zu einigen verschiedenen Menschen und schaute mir auch Lebensmodelle an.
Ich ließ meine Verwandten, Freunde und Bekannten an meinen Reisen teilhaben, damit sie wissen, wo ich mich so durchbewege.
Manches davon war zwar stark grenzwertig und ich schreibe es hier nicht rein, weil ja keiner in meinen Kopf schauen kann, was ich wirklich gelernt und gedacht habe, aber es gehörte eben zu meiner Suche dazu, teils sehr weit über den Tellerrand hinauszuschauen, schließlich hatte ich ja nichts zu verlieren und Menschen, die nichts zu verlieren haben…
Ich fühlte mich also absolut frei… und es war mir egal, ob mir etwas zustoßen könnte.
Ich hatte hauptsächlich in Deutschland, der Schweiz und in Österreich so meine Begegnungen und es umfasste alles, was man so als „Alternativen“ vielleicht mal gehört hat und es ging teils weit darüber hinaus.
Wer mich kennt, der weiß, dass ein Jahr bei mir sehr komprimiert abläuft und in so einem Jahr lebe ich Jahre, Jahrzehnte, mehrere Leben.
So war ich Mitte 2010 zur Erkenntnis gekommen, dass das auch nicht meine Wege sind, obwohl sie teils wunderbar waren und ich mich als Schwerhörige viel geschätzter fühlte, als in der normalen Gesellschaft, vor allem, weil ich da auch zum ersten Mal mit jemand in Kontakt kam, der Mitentwickler von der Bluebox, dem ISDN, dem Handy und noch so vielen technischen Entwicklungen war, die nicht für die Öffentlichkeit zugänglich waren.
Es ging da natürlich vor allem um die Frequenzen und meine Ohren und er hat mir auch gesagt, dass ein Hörgerät nicht gut für die Gesundheit wäre, weil mein Körper dem ausgeliefert wäre und er würde mir viel eher ein CI empfehlen oder ein Hörrohr.
Er hatte Recht, habe ich so die letzten 4 Jahre festgestellt, und auch Marc Donner erzählte mir, dass meine Hörgeräte meine Ohren mit einer Leistung von 130 dB dementsprechend so belasten, als würde ich direkt neben einem Flugzeugrollfeld leben. Hier mal zum Vergleich:
Vor allem aber wollten mir auf meinen Reisen einige beweisen, dass ich nur nicht „hören wolle“ (Karma und so)… na ja und ich habe mich da auch entsprechend auf ein Experiment eingelassen und für 2 Monate meine Hörgeräte ausgeschaltet.
Das war eine sehr anstrengende Erfahrung, es grenzte mich noch mehr aus, weil die Konzentration für kleinste Gespräche schon enorm waren.
Fazit war aber trotzdem:
Nachdem ich meine Hörgeräte wieder angezogen hatte, waren meine Ohren wirklich „empfindlicher“ und ich konnte teils schon besser hören. Allerdings verblieb dieser Gedanke dann lange im Hinterkopf. Deshalb war mir der neue Ansatz mit den neuen Hörgeräten und dem Gesangsunterricht nicht fremd, nur ging ich nicht davon aus, dass es anhalten würde, denn bis dahin hatten sich meine „neu gewonnenen“ Hörfähigkeiten bald nach kurzer Zeit wieder verflüchtigt.

Bei meiner ersten Rucksackreise, bin ich bei einer ganz lieben Person gelandet, die bis zu dem Tod von ihrem Mann eine Massage-Praxis führte und da entbrannte der Wunsch, es einmal damit zu versuchen und so meldete ich mich in Berlin an und belegte diese Kurse.
Ich hatte keine Probleme, wegen meiner Schwerhörigkeit und es war eine tolle Zeit.
2013 konnte ich die Massagen für ca. 8 Monate beruflich als Nebenjob in einem Friseursalon ausüben, bis meine Chefin einen neuen Weg einschlug und ihren Standort verlegte. Tja, es soll bei mir wohl nie sein…
Dann entwickelte sich ein extremer Nährstoffmangel durch die vielen starken Blutungen während meiner Tage und so verlor ich immer mehr meine Kräfte. Ich blutete über 2 Jahre kontinuierlich aus und egal bei welchem Arzt ich war, ich bekam nur die üblichen Tipps und die Blutwerte waren anscheinend in Ordnung. Erst zwei Jahre später versuchte ich mein Glück bei einem Osteopathen, der meiner Tochter gut geholfen hatte und da hat sich herausgestellt, dass fast alle Werte so niedrig waren, dass sie bei bald Null angekommen waren. Ich war also innerlich „verhungert“ und konnte das längst nicht mehr mit den Nahrungsergänzungsmitteln egal woher auffüllen, weshalb ich dann „Pferde-Nährstoff-Kapseln“ aus der Schweiz kaufte, die einen Tagesbedarf in allen Kategorien um die 1000 – 3000% deckten und zwei Monate später ging es dann auch endlich wieder mit mir aufwärts, so, dass ich zu „normalen“ Nahrungsergänzungsmitteln wechseln konnte (Fitline).
Da konnte ich dann auch nicht zusätzlich noch Kraft an andere verlieren… und da ich hochsensibel bin und natürlich die Energien fühle, musste ich damit bis heute aufhören.

2010, kurz nach der Beendigung meiner Lernwanderung, nahm ich als Teamerin am Sommercamp der BUJU teil, weil zu viele kurzfristig abgesprungen sind.
Damals wurde dieses Sommercamp im Rhythmus von 2 Jahren organisiert, aber die Sponsoren sind alle abgesprungen, weil es sich für sie nicht mehr lohnte, da die Werbung nicht weitreichend war. Aber für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen war das bis dahin eine der besten Austauschmöglichkeiten, vor allem für die, die in normalen Schulen integriert wurden.
Es war in etwas wie eine Ferienwoche mit unglaublich viel Programm, von allen möglichen Sportarten, bis hin zu Projekten, die das ganze Burg-Gelände umfasste. Zudem fanden viele Workshops statt, für die man sich im Vorfeld anmelden musste. Unter anderem war auch Marc Donner aus Buchen mit dabei.
Zu den Veranstaltungen waren natürlich einige Gebärdendolmetscherinnen dabei und im Hintergrund saßen ebenfalls sowohl bei manchen Workshops, wie bei den großen Veranstaltungen Schriftdolmetscherinnen hinter den Kulissen und korrigierten schnell mit einer bestimmten Technik in Schrift umgesetzten Text, der über ein Mikrofon aufgenommen wurde. So konnten die Hörgeschädigten auf mehrere Arten die Veranstaltungen mitverfolgen. Natürlich war auch in der großen Aula die T-Spule einschaltbar.
Es gab sowohl künstlerische, sportliche, wie auch informelle Workshops und die Burg war genau groß genug, um alles umfassend abdecken zu können, inklusive der Übernachtungsmöglichkeiten im Kloster auf dem Gelände.
Jedes Mal hieß es „nach dem Sommercamp ist vor dem Sommercamp“, denn so eine Veranstaltung braucht auch seine zwei Jahre Organisation und kostete viele Zehntausende Euro. Heute ist das gar nicht mehr bezahlbar, bei den ganzen Preissteigerungen…
Leider haben sie die alten Seiten alle im Netz gelöscht und keine Erinnerung hinterlassen, denn es waren großartige Veranstaltungen und sie gaben allen die Möglichkeit, sich nicht mehr einsam zu fühlen und auch ganz viel mitzunehmen.
Es gab sogar sehr bekannte Schirmherren, die ich gar nicht im Kopf habe, aber der letzte Schirmherr war der Schauspieler Wolfgang S. Zechmayer und zwei Jahre davor (ich erinnere mich nicht mehr wer von beiden) entweder Miroslav Nemec oder Udo Wachtveitl, die bei Krimiserie „Tatort“ als Ivo Batic und Franz Leitmayr bekannt sind.
Allerdings hat sich von allen Schirmdamen und -herren Wolfgang S. Zechmayer die meiste Zeit genommen (nämlich fast die ganze Woche).
Er hat mir auch meinen Ausschankdienst übernommen, weil er, wie die anderen auch befanden, dass ich auch mal feiern sollte und nicht nur schaffen… außerdem hat er festgestellt, dass wir immer im Partnerlook rumliefen, also mein Mann und ich und ich habe ihm erzählt, dass wir halt immer einen Stapel T-Shirts für beide bestellen und früher sogar, bis auf die Unterhosen, alle Kleidung geteilt hatten. Wir hatten halt nicht viel Geld und das hat sich so eingespielt. Inzwischen habe ich meine eigenen Oberteile, aber ehrlich gesagt, hat mich das damals überhaupt nicht so wirklich gestört. Er kommentierte das mit: „Einstein hatte auch immer das gleiche an!“ und ich fand das total nett… wir haben uns sowieso gut verstanden.
Es war eine interessante Zeit, vor allem deshalb auch, weil ich gemerkt habe, wie überdreht die meisten waren, weil sie endlich nicht mehr so „einsam und alleine“ mit ihrer Hörschädigung waren und dass ganz viele total mit ihren Leben gestresst waren. So kannte ich das nicht und eine, die uns sofort ins Auge sprang, die ebenfalls so ruhig und gelassen wie wir war, die war ebenfalls in einem Internat, allerdings in der Schweiz. Ja, ich mag zwar nicht alles positiv finden und vieles arbeite ich immer noch auf, aber wir wuchsen zumindest in einem Umfeld auf, in dem wir uns nicht auf das Hören konzentrieren mussten, sondern einfach nur um den Schulstoff, wie jeder andere auch.
Hm… würde ich heute noch mit ihnen tauschen wollen? Heute bin ich überzeugt davon, dass niemand einen leichten Weg hat und jeder seine Baustellen aufarbeiten muss.
So ganz, wie bei der Geschichte mit dem Baum, wo alle über ihre Leiden geklagt hatten, weil sie es vermeintlich am schwersten hätten und jemand vorschlug, dass jeder sein Leid auf einen Zettel schreiben und an den Baum hängen und sich dafür einen anderen Zettel mitnehmen solle, um das „Leid“ des anderen abzuarbeiten. Das ging nicht lang und schon bald kamen die Leute zurück und wollten ihr altes „Leid“ wieder zurück haben, denn das war ihnen bekannt und damit konnten sie viel besser umgehen, als mit dem Leid des anderen.
Ich finde schade, dass sich so eine Veranstaltung die letzten Jahre weder finanzieren noch organisieren lassen hat und ich habe nach wie vor eine Hochachtung vor dem damaligen Vorstand, denn das war in ungefähr wie das Europäische Jugend Musical Festival von 2025 in Herxheim, nur viel größer angelegt und natürlich mit noch viel mehr Aufwand verbunden, deshalb kann ich es verstehen, dass da ein unglaublich starkes Team aufgestellt werden muss und dann müsste die Kostenhürde deutlich niedriger liegen.
Aber von der Art her, könnte man es vergleichen und deshalb fand ich das toll, dass es hier stattgefunden hat, weil es mich an diese Zeit erinnerte. Wenn da nicht der Ehrgeiz wegen dem Gewinnen wäre, sondern der Fokus auf den Workshops liegen würde, würde wahrscheinlich noch viel mehr dieses Sommercamp-Feeling entstehen können ;-).
Ich war mit meiner Freundin in Frankfurt und hatte ein superschönes Wochenende mit ihr.
Ein Thema war auch Verhütung: Sie würde das mit so Pinkelstäbchen machen, mit denen man die Fruchtbarkeitstage ausrechnen kann.
Und außerdem war ein weiteres großes Thema, dass sie sich bald ein Kind wünschte, aber dafür noch Myome entfernen lassen musste.. und ich war damals noch felsenfest davon überzeugt, dass ich keine Kinder wollte.
Erstens, weil ich ja froh war, dass wir über die Runden kamen und zweitens:
„Wer setzt denn in so eine Welt freiwillig Kinder?“ vor allem, nachdem ich so viel überall reinschauen konnte… nee… nee… nee…
Keine zwei Monate später bin ich selbst schwanger geworden, weil ich den Pinkeltest ausprobiert habe und mich wohl verrechnet hatte…
Kleinlaut habe ich meiner Freundin erzählt, dass ich jetzt schon schwanger wäre. Sogar noch vor ihr.
Das kurbelte dann auch noch meine andere Freundin an und im Laufe der nächsten Monate hatten wir drei dicke Bäuche, sogar eine kurze Zeit gemeinsam.
Ich dachte mir: „Shit happens, machen wir das beste draus!“
Und dann erlebte ich die schönste Schwangerschaftszeit überhaupt!
Ich hatte einen Kurs belegt und alles akustisch gut verstanden, zumal mein Mann auch dabei war und zuhause hatten wir ein Babyfone mit Bild und Nachtsichtkamera installiert, plus Babyschrei-Blitzer.
Allerdings waren uns die Untersuchungen zu aufdringlich. Ich fand das alles überfordernd und absolut lieblos (da gerät man ja in Schwangerschaftsstress, weil man dies und das haben könnte und die unnötigen Fragezeichen und Ängste, die dann aufkommen), deshalb sind wir, nach den ersten Untersuchungen und zwei Ultraschallbildern, zu einer Hebamme gewechselt und haben mit regelmäßigen Untersuchungen bei ihr der Natur ihren Lauf gelassen, denn sie hatte ja auch jahrzehntelange Erfahrung.
Ja, deshalb wussten wir wirklich nicht, ob es ein Junge oder Mädchen werden würde… hatte uns aber niemand geglaubt.
Ich hatte mir auch erklären lassen, weil ich das unbedingt wollte, was ich im Notfall machen müsse, wenn mir das Kind „herausflutschten“ oder ich nicht rechtzeitig im Krankenhaus ankommen würde. Sie erklärte mir dann, was ich bei einer „Selbstgeburt“ beachten müsse und so hatte ich immer Schürsenkel, eine Schere und ein Feuerzeug bereitgelegt, um die Nabelschnur an zwei Stellen abzubinden, um sie dann in der Mitte durchschneiden zu können.
Eigentlich wollte ich auch eine Hausgeburt, aber das hatte damals fast niemand mehr angeboten, deshalb hatten wir für mich und meinen Mann ein Zimmer im Krankenhaus „gemietet“, so konnte er während der Vorbereitung, bei der Geburt und nach der Geburt bei uns übernachten.
So konnte er dann alles klären, falls ich was nicht verstanden hätte.
Übrigens am Rande erwähnt: Das ist auch möglich, wenn man jemand betreuen möchte, der im Krankenhaus liegt, sofern ein Bett frei ist, das hat meine Mutter bei meinem Vater auch gemacht, weil er immer wieder nach Hause laufen wollte im Nachthemd.
Die Kosten müssen zwar selbst getragen werden, aber wir hatten vielleicht damals 80 Euro gezahlt für 3 Tage (da ist auch das Essen mit drin gewesen).
Für Schwerhörige/Gehörlose also durchaus eine Erleichterung, weil jemand da sein kann, der die ganze Kommunikation übernimmt.
Und dann war er da: Der Tag, an dem wir nicht mehr zu zweit sein sollten:
Weil ich dann doch einen Kaiserschnitt hatte (die Fruchtblase ist geplatzt, aber das Töchterchen hat sich nicht bequemt, sich durch den Ausgang zu quetschen und nach drei Tagen warten hab ich dann doch das Messer ran gelassen), sollte ich mich lang genug ausruhen, damit alles verheilen könne, weil, sagte mir die Hebamme, ein Kaiserschnitt eben nicht unkompliziert ist, wie er verkauft wird, weil alles erst wieder zusammenwachsen und heilen müsse und ganz viele Frauen hätten nachher Schwierigkeiten.
Ich hatte keine Komplikationen, mir ging es nach der Geburt recht schnell wieder gut. Auch diese „Nach-der-Geburt-Zeit“ habe ich sehr genossen.
Die Frage ist, wie wir das mit den Nächten gemacht haben?
Da muss ich zugeben, dass das mit dem Babyschrei-Blitz nicht so geklappt hat, wie es sollte und unser Mädchen wollte am Anfang sowieso nie vor halb 3 schlafen… es dauerte eine Weile, bis wir sie auf 23 Uhr runterhandeln konnten… und damit das auch funktionierte, waren wir jeden Abend um 21 – 22 Uhr noch draußen spazieren. Wir waren im Dorf auch als die „Nachtspaziergänger mit dem Kinderwagen“ bekannt, aber egal, was wir versuchten, vor 23 Uhr war einfach keine Schlafenszeit für sie.
Wir gewöhnten uns daran, ein Hörgerät in der Nacht anzulassen, weil das mit dem Blitzschrei-Wecker nicht so funktionierte… er blitzte zu schnell und dann gar nicht, wenn sie geweint hatte…
Ehrlich gestanden hatten wir bis zu ihrem 6. Lebensjahr keinen ruhigen Schlaf mehr, was mich körperlich sehr mitnahm. Entweder sie weckte mich wegen ihren Albträumen vom Kindergarten oder warum auch immer, aber Durchschlafen war nicht oft drin und das hat mich extrem zermürbt, vor allem, weil ich erst immer meinen Kreislauf beruhigen musste oder die „Nachtaufschreck-Magenkrämpfe“.
Ja, ich weiß, das ist kein gesunder Lebensstil… zumal ich vorher schon 14 Jahre Zeitungen ausgetragen hatte und mir das auch nicht gut bekam, vor allem dem Ende zu, weil ich so um drei/halb vier aufstehen musste und das ja auch die Zeit der Leber ist und deshalb hatte regelmäßig solche Leberkrämpfe, dass ich oft nach Hause gekrochen bin (ich meine das nicht metaphorisch, ich meine das wörtlich). Ich liebte das Austragen der Zeitung eigentlich schon, denn ich war immer die Erste, die Spuren in den Schnee gepflügt hat oder das Glitzern einer makellosen Eisdecke sehen durfte und die klaren Sternenhimmel über mir hatte und vor allem die Sonnenaufgänge genießen durfte (ich habe sogar danach meine Wäsche gewaschen, weil das mit dem Morgenrot stimmt -> das gibt nen Regentag).
Wir hatten damals keine andere Lösung gefunden, außer mit dem Hörgerät zu schlafen, es wäre vielleicht doch noch anders gegangen, aber wahrscheinlich haben das ganz viele Schwerhörige besser gelöst… könnt ihr mir ja mal schreiben, wie ihr das gemacht habt!
Für alle Normalhörenden: Mit dem Hörgerät zu schlafen ist nicht, wie mit „normalen“ Ohren zu schlafen. Ein Ohr ohne Hörgerät reguliert die Geräusche, ein Hörgerät powert jeden Ton gleichbleibend ins Ohr und bei Nachtruhe bedeutet das, dass unser Gehirn dann abschalten lernen muss, obwohl das Ohr nicht „abschalten“ kann.
So weit geht das schon gut, aber wir hatten eben noch eine Tochter, die uns sehr viel geweckt hat. Ihr könnt Euch die Erleichterung vorstellen, als wir endlich wieder ohne Hörgeräte schlafen konnten. Nach 20 Jahren Schlafmangel oder falschem Schlaf durfte ich endlich ausschlafen.
Wir müssen dazu ja noch erwähnen, dass am Tag die Belastung durch die Hörschädigung noch dazu kommt.
Hier habe ich etwas dazu geschrieben:
Deshalb hatte ich auch immer so viel Mittagsschlaf oder wann auch immer Schlaf gebraucht. Einmal wegen dem Nachtstress und einmal wegen dem Tagstress und dann wegen dem Hörstress, je nachdem wo wir unterwegs waren. In keinem Fall war „einfach mal abschalten“ drin und weil sie absolut nirgends übernachten wollte, verteilte ich den Schlaf in die Lücken, die ich hatte.