17.12.2025
Das gibt es doch nicht!
Ich lasse Euch an meinen persönlich ersten „Wundergeschichten“ teilhaben, die mich die Unterschiede zu zuvor deutlich bemerken ließen.
Jede einzelne „Wundergeschichte“ feierte ich in meinem Inneren mit der teuersten Flasche Champagner und einem megagroßen Feuerwerk.
Inzwischen ist es so, dass vieles davon „ganz normal“ für mich wurde, aber die ersten Erfahrungen waren natürlich die prägendsten.
Ich habe sie unter dem „Weg einer Sängerin“ eingebaut, weil diese Hörerfolge ganz sicher in Verbindung mit dem Gesangsunterricht zu bringen sind.
Mein allererstes Telefonat war mit Marc (Donner), der mit mir alle Dinge klärte, wie eben die Rechnungen, etc.
Er wollte es unbedingt über das Telefon machen, weil wir sehen wollten, was ich hören und verstehen kann.
Es ist so, mein neues Hörgerät kann über Bluetooth mit dem Handy gekoppelt werden und so ist es wie eine Art Telefonspule, die das Gespräch verstärkt.
Allerdings, was normalerweise nie ging, egal bei welcher Lautstärke, war es, ohne vom Mund abzulesen. Das ist eigentlich ein Ding, was bei meinem Grad der Schwerhörigkeit und unimplantiert, eigentlich eine absolute Unmöglichkeit ist.
Vielleicht habt Ihr ja schon die Stelle gelesen, an der ich beschrieb, wie Marc mir meine Hörgeräte so anpasste, dass ich überhaupt etwas verstehen konnte, ohne das es gurrt und ich nur noch die Hälfte höre und dass er dafür dauernd im Kontakt mit dem Servicetechniker war und alle Hebel in der Welt bewegte.
Und eins seiner unbeabsichtigten Erfolge, war, dass ich überhaupt etwas am Telefon verstehe. Das ging überhaupt nicht. Ich muss vom Mund ablesen… ich muss!
Zugegeben, dieses erste Telefonat war noch anstrengend und ich verstand jetzt vielleicht 80%, aber was noch bemerkenswerter überhaupt ist, also bis jetzt in die neuere Zeit (aktuell 2025) ist, dass mein Hören sich stetig verbessert und nicht, wie vorher verschlechtert oder wieder einpendelt, bzw. keine weitere Leistungssteigerung mehr stattfand. Das, meine Lieben, bemerke ich vor allem beim Telefonieren.
Mit meiner Tante aus Neumünster (ein zweistündiges Gespräch) holte ich so viel raus, wie noch nie. Normalerweise war ein Telefonat gar nicht möglich… also wirklich ganz und gar nicht!
An Evas Geburtstag (im Juni 2022) dachte ich mir, dass ich statt einer Geburtstagskarte einen Geburtstagsanruf machen sollte und als ich sie dann angerufen hatte, blieben wir bestimmt eine halbe Stunde am Hörer dran.
Wie hat sich Eva gefreut!!!
Ich sang ihr auch „Komm lieber Mai und mache“ vor, denn sie wollte unbedingt mal hören, was ich so bei meiner Gesangslehrerin schon gelernt hatte und sie war total aus dem Häuschen!
Mit Eva hatte ich noch ein zweites Mal lange telefoniert und es war so ein schönes Hin und Her, das kannten wir so noch nie… nur, wenn wir uns eben von Gesicht zu Gesicht gesehen hatten. Aber am Telefon? Never!!!
Eva höre ich bisher am klarsten und damit erreichen wir knappe 100%!
Aber auch meine anderen Freundinnen, freuen sich, wenn ich sie mal anrufe… sie freuen sich dann, weil sie es noch nicht gewohnt sind.
Ich möchte noch etwas mutiger werden, aber grade habe ich viele Prozesse am Laufen. Also damit meine ich, dass ich mal irgendwo anrufe, wo mir total fremd ist, also z.B. beim IKEA Informationen einhole oder so…
Mal sehen, wie ich es ausbauen kann, es ist auch eine psychische Hürde dabei, denn wenn man nie telefonieren konnte, dann ist der Griff nach dem Telefon noch mit altem Unbehagen verbunden. Wer hat denn auch behauptet, dass ich täglich mutig sein muss… ich denke, mein Mut, den ich die letzten Monate für alle die Experimente und Prozesse hatte, war und ist groß genug. Übertreiben muss ich es jetzt nicht!
(Der Text ist von 2022, inzwischen hat sich etwas geändert, aber ich lasse ihn mal so stehen, weil er ganz aus meinem Herzen spricht)
Oh, meine Freundin C. aus Rohrbach, die durfte oder musste (sie hatte keine Wahl, weil wir einfach gemeinsam raus mussten, wir liebten es damals zusammen zu sein) mit mir auf verschiedene Feste gehen. Ab und zu falle ich in meine Löcher zurück, dann wird mir alles zu viel und C. würde viel lieber noch mehr mit mir auf Feste gehen oder etwas unternehmen, aber ich brauche oft Regenerationsphasen und je nach Heftigkeit, kann so eine Pause länger gehen.
Alles, was ich bei meiner Gesangslehrerin gelernt habe, das setzte ich mit C. in der realen Welt um, sei es beim Trommeln, auf Feste gehen, miteinander telefonieren oder auch Heilungsprozesse mit ihr durchleben, die meine Gesangslehrerin an mir öffnete. Ich bin sicher, meine Gesangslehrerin hätte es viel lieber selbst mit mir erlebt, was ich durch sie gelernt habe, aber sie hatte natürlich immer genug zu tun… so musste ich ihr dann immer erzählen, was ich mit C. so erlebt hatte.
(Wegen der Hör-Forschung)
So auch das Kultursommerfest in Herxheim!
Das fing damit an, dass wir uns irgendwie an allen Ständen aufhielten und mit den Leuten dort über deren Themen gesprochen haben. So etwas ging früher gar nicht und mit meiner geduldigen Freundin an meiner Seite, konnte ich überall so lange verweilen, wie ich wollte und umgekehrt, sie auch an den Orten, wo sie sich aufgehoben fühlte und nicht wegkam, weil es einfach so toll, interessant oder lecker war.
Wir ergänzten uns in vieler Hinsicht und hatten auch sehr viel Geduld.
Bei diesem Fest waren es so extrem viele neue Höreindrücke, dass es eins der schönsten Dorffeste war, an dem ich je teilgenommen hatte und ohne C. wäre es nie so schön geworden!!!
Nachdem wir bei allen Ständen gewesen sind, gingen wir zu den Vorstellungen.
Wir haben Akkordeonmusik gehört, einem Kasperle-Theater zugeschaut und bei der für uns schönsten Vorstellung hatten zwei Akrobatinnen Kafka rezitiert.
Oh, das war das erste Mal, dass ich entdeckt hatte, dass ich mehr als nur ein Wort verstanden hatte. Es war nicht so viel, wie im Oktober 2022 beim Stationen-Theater, weil ich auch keinen Text vorher hatte und ich so komplett vom Mund ablesen musste, was ja recht schwer war, weil sie dabei geturnt haben – aber ich hörte Sätze – und noch mehr Sätze – und meine Augen wurden groß und größer!
Das, meine Lieben, war meine allererste Vorstellung (Theater), wo ich mehr als nur ein Wort verstehen konnte und auch hier weinte ich wieder vor Freude und C. hatte es total verstanden und sich für mich gefreut!
Nach dieser Vorstellung hatten wir uns noch eine weitere Akrobatenvorstellung angeschaut, die aber rein visuell war und als Abschluss hatte ich C. zum Konzert in der Festhalle eingeladen.
Es war zwar jetzt nicht so unser Ding gewesen, wenn auch die Sängerinnen großartig gewesen sind, aber als das Konzert zu Ende war, sind wir noch eine ganze Weile sitzen geblieben, mindestens noch eine halbe Stunde, denn wir beide hatten einfach den tollen Tag nachklingen lassen, sind noch selig dort gesessen und haben zugesehen, wie andere sich Autogramme geholt hatten und wie die Bürgermeisterin Fotos mit sich schießen gelassen hat.
So habe ich mit C. ganz nah beieinander gesessen und wir gingen in Liebe und Glück auf! Der Tag war einfach unaussprechlich schön gewesen!
Darf ich Euch vorstellen: Das ist meine erste Mentorin in Herxheim, nämlich Simone B.
und ihr Laufschul-Team!
https://laufschule-suedpfalz.de/
Um mich zu revanchieren, habe ich schon zweimal beim Triathlon ausgeholfen. Einmal als
Becherbefüllerin und einmal als Becherhalterin.
Die Atmosphäre war einfach gigantisch. Musik im Hintergrund, Leute, die mir mein Ziel vorleben und vor allem meine liebe Simone, die es mit mir nicht so einfach hat, weil ich immer dran bleiben möchte, aber körperlich oft zusammensacke und dann viele Lücken in der Regelmäßigkeit aufweise.
Ich muss allerdings auch zugeben, dass mein Gewicht schon auch nicht so einfach zum Rumjoggen ist, ich meine… Ihr habt ja schon Fotos gesehen und trotzdem gibt mir der Laufkurs extrem viel.
Von der Sprungkraft, über ein ordentliches Herz-Kreislauf-System, es ist der erste Sport, der so viel in mir aufgebaut hat.
Allerdings, wenn ich meine Muskelschwächen habe, dann geht es gar nicht mehr und ich brauche teils Monate, um wieder von Vorne anfangen zu können. Egal! Ich gebe nicht auf und Simone mich auch nicht! Ich hoffe, das bleibt so, Simone, denn Du bist für mich die Größe, die mich immer wieder zurück kämpfen lässt! Stand jetzt (2025) bin ich immer wieder froh gewesen, dass ich überhaupt wieder laufen konnte, nach den jeweiligen OPs und überhaupt… aber ich peile Simone immer wieder an, weil ich weiß, dass es gar nicht nur um den Sport geht, sondern um das Dabeisein und jede Bewegung dort zählt, aber mir geht es vor allem eher um die positive Mentalstärke. Walken bietet sie ja auch an.
Jedenfalls, was der Erfolg an diesem Tag war:
Es war mein zweites Mal absichtliches/gesellschaftliches Hörexperiment! Es war da noch nicht so gut ausgefeilt, wie jetzt, aber ich habe mich versucht hinauszuwagen, zu kommunizieren, mich nicht zu verstecken und auch anzunehmen, wenn es nicht so klappt, wie ich es mir vorstelle. Und na ja… es war wieder eine tolle Erfahrung… noch nicht so wie später, also z.B. bei der Theatervorstellung oder der Silberhochzeit, aber es war ein sehr, sehr guter Anfang!
Hier folgt also einer meiner großen Hör-Erfolge, den ich bei der ersten Laufeinheit
in diesem Jahr 2022 erlebt hatte:
Normalerweise ist es so, dass Namen für Schwerhörige extrem schwierig zu verstehen sind, weil es erstens Einzelwörter sind und nicht in einer Satzkonstellation ergänzt aufgenommen werden können und zweitens, weil ein Name so unterschiedlich klingt und wenn man in die Nähe vom richtigen Namen kommt, ist das schon eine Leistung.
Es war bis dahin immer so, dass ich generell nicht gerne gefragt habe, wie jemand heißt, denn ich musste mir das immer gleich beim ersten Mal merken (sonst hört man ihn fast nicht mehr… Normalhörende hören immer wieder mal die Namen im Gespräch raus oder beim Zurufen) und mindestens 10x nachfragen, weil Papier und Stift hat man nun auch nicht überall dabei, und nach dem 10x fragen, war es nicht unbedingt so, dass ich dann den richtigen Namen auch hatte.
Immer peinliche Situationen, weil viele mit ihren Namen ja doch nun recht empfindlich sind und schon bei Miniabweichungen böse schauen oder genervt – oder wie auch immer – und da komme ich daher und spreche sie oft mit ganz oder halb falschem Namen an und sie korrigieren es oft auch nicht und wenn doch, dann ging das Spiel oft von vorne los: „Wie bitte?“
Sonst in den vorherigen Laufkursen war ich froh, wenn ich hinterher 1 – 2 richtige Namen verstanden hatte, anwenden konnte und überhaupt wusste.
Als Simone dann ankündigte, dass wir in der ersten Stunde ein Namensspiel machen werden, freute ich mich mal wieder nicht drauf, weil eine Peinlichkeit, nach der anderen, konnte ich mir schenken!
Aus obengenannten Gründen könnt Ihr bestimmt verstehen, wie unangenehm das für mich immer war und wie mir so eine Ankündigung schon fast die Laune verderben konnte.
Doch weil ich neue Hörgeräte anhatte, ließ ich es mir diesmal offen. Lust hatte ich keine drauf, aber durch musste ich ja irgendwie.
Oh ja, dabei muss ich erwähnen, dass wir dabei laufen sollten… und beim Fragen auch auf der
Stelle weiterlaufen sollten.
Toll! Normal, ohne das „Gehopse“ war es schon unmöglich und mit „Gehopse“ musste ich
ja noch dem Mund rauf und runter folgen.
Alle Schwerhörigen und Gehörlose jetzt bitte an dieser Stelle, einmal laut für mich mit stöhnen:
„STÖÖÖÖÖHN!“
Und weiter im Text: Jedenfalls erwartete ich nicht viel und versuchte mich durchzuschlagen. Beim ersten Namen:
„Hallo, ich bin die Moni und wie heißt Du?“ – „Ich bin die Steffi!“ – „Steffi?“ – „Ja, genau!“
WOW! COOOOL! Einer von 20!!! Und dann gleich! Also der nächste Name… hops, hops,
hops…
„Hallo, ich bin die Moni!“ – „Hallo, ich heiße Elisabeth!“ – „Wie bitte?“ – „Elisabeth!“ – „Elisabeth?“ – „Ja, richtig!“
WAS? COOOOL! 2 von 20!
Und so ging das bis ich alle durch hatte! Manchmal musste ich ein zweites Mal nachfragen oder ein drittes Mal, aber ich glaube nur bei zwei, drei Teilnehmern… und nicht zehnmal bei einer Person ohne dabei Erfolg zu haben!
Ganze 20 von 20 Namen habe ich richtig verstanden!
Leute!
Jahuuuuu!
Yeah!!!!
Trallalalalalaaaa!!!
Volltreffer!
Ok, wir mussten uns beim Laufen noch mal ansprechen und das öfters, bis wir uns die Namen merken konnten, aber die anderen haben genauso oft gefragt, wie ich! Das war einfach toll!
Seitdem habe ich die Angst vor dem Namen-Erfragen verloren!
Als ich mit dem Rad später vom Freibad Richtung nach Hause gefahren bin, blieb ich noch an der
Ausstellung „Kunst bei der Villa Wieser“ hängen. Dort ist mir sofort ein Bild ins Auge gefallen, eine Alkoholmalerei, und ich versuchte dann mit der Künstlerin ins Gespräch zu kommen, was ich sonst vermied, weil ich sowieso nie was verstanden hatte, aber auch hier erlebte ich einen vollen Hörerfolg auf ganzer Linie. Das Gespräch ging ca. 30 Minuten und glücklich von beiden Tageserlebnissen (Triathlon und Kunstausstellung), kam ich freudestrahlend zuhause an und musste meinem Mann alles brühwarm erzählen.
Mit jedem Hörexperiment fließe ich immer mehr in die „Hörwelt“ ein und was ich dachte, würde nie gehen, entledigte sich nach und nach und das natürlich immer noch.
Es ist für jemand, der normal hört, nicht wirklich nachzuvollziehen, wie viel Pein da drin steckt, so entkoppelt zu sein. Doch jedes Mal, wenn ich meine „Blase“ ausdehne oder durchschreite, fühle ich mich endlich wie ein ganzer Mensch.
Ach ja, um meinen Lotsendienstkumpel zu zitieren: „Dich sieht man auch überall!“
JAAAA!!!
Jetzt schon! Ich möchte gesehen werden, damit ich auch Teil werden kann, das geht nicht, wenn ich mich verkrieche, so wie früher!
Gemeindefest der evangelischen Kirche
Ich habe ja schon über die „Erste Chorerfahrung“ geschrieben.
Dennoch möchte ich das hier in die Liste der Hörerfolge einbinden, weil ja auch das Gemeindefest für sich eine wahnsinnige „Hörfreude“ war und „Hörfreude“ ist erst seit eben dieser Zeit ein Wort das neu in meinem Wortschatz zu finden ist.
Am Gemeindefest saßen wir nach dem Konzert in einer schönen großen Runde, zuerst drinnen am Tisch, dann draußen beim Picknicken und immer war es fröhlich und schön!
Und ich habe mich in jeder Hinsicht glücklich gefühlt! Ich musste mich nur an das viele gelobt werden gewöhnen und das ist mir an dem Abend noch nicht so gelungen, aber inzwischen kann ich das ganz gut, wenn ich trotzdem Grenzen ziehe, wenn ich es etwas unverhältnismäßig finde.
Hätte ich mal geglaubt, dass ich eine Gruppe von Menschen so nett und lieb finden würde…
ich möchte mich hier an der Stelle einfach für die Herzlichkeit aller Teilnehmer bedanken, das hat mir so gut getan, mich so sehr aufgebaut und mir einen Riesenbrocken an Einsamkeit von den Schultern genommen!
Wie sagt Marc Donner: „Hören verbindet Menschen!“ Das passt hierhin, denn seit ich
besser höre, durch die neuen Hörgeräte und die dauernden Übungen, seitdem
verbinde ich mich immer mehr mit so lieben Menschen! Das ist für mich ein
wahres „Gottesgeschenk“!
Mein Lotsendienstkumpel hält mich seit unserem gemeinsamen Wirken als „Hüter des Weges“ immer auf dem Laufenden, also was so im Dorf passiert.
Er hat auch ziemlich bald gesagt, dass er es sehr gerne macht, weil er sich freut, dass ich mich in seine Heimat, sein Herxheim so integriere und versuche der Gemeinschaft etwas zu geben.
Auch sagte er: „Kommst Du zu dem und dem Fest?“ (Eigentlich hat er damit die Einleitung in den Kultursommer gemeint, aber hier an der Stelle auch)
Damit schuggte er mich an, damit ich mal mehr unter die Leute gehe, also mich bei den Festen blicken lassen sollte.
Also wir sind natürlich schon immer mal auf die Feste gegangen, aber das lief so ab, dass wir kurz drüberspaziert sind und dann was gegessen hatten oder mitgenommen hatten und dann war das für uns schon fertig so, denn kommunizieren bei der Lautstärke, machte keinen Spaß und überhaupt es war anstrengend, angesprochen zu werden.
Eben das gleiche Thema, wie überall… angesprochen werden, mit irgendwem ins Gespräch zu kommen, Vorstellungen zuzuhören… alles grausig und anstrengend gewesen. Für unsere Tochter waren wir halt zumindest auf den Festen, die für sie geeignet waren.
Diesmal, mit meiner neuen „Hör-Forschung“ setzten wir uns Mitten rein und kamen tatsächlich dann in so einige Gespräche.
Unter anderem hatten wir wieder eine schicksalshafte Begegnung.
Wir saßen beim Essen auf einer Bank und neben uns setzte sich dann ein älteres Ehepaar. Zuerst hatten wir ja noch andere Bekannte bei uns sitzen, aber als die gegangen waren, sind wir mit ihnen ins Gespräch gekommen.
Wir kommunizierten eine ganze Weile miteinander, ich weiß gar nicht mehr, wie lange, aber es waren bestimmt zwei Stunden, was mega viel ist, auf so einem Fest und dann noch mit Fremden.
Irgendwann im Laufe des Gesprächs erzählte der ältere Herr, dass er damals beim Daimler gearbeitet hätte und zwar als Dreher. Gleich griff mein Mann es auf und fragte, ob er meinen Vater, B.N., und wie ein Blitz schossen ihm fröhliche Sterne aus seinen Augen. „Der B.N.! Ach, mit B.N. habe ich so viel erlebt!“ Und das war für mich unfassbar! „Zufällig“ saßen wir am gleichen Tisch und verstanden uns schon gut, bevor der Name meines Vaters gefallen war, aber ab da an waren wir sofort ein Herz und eine Seele und egal, wo wir uns sehen, wir freuen uns übereinander und setzen uns zusammen oder begrüßen uns, wie alte Freunde!
Und das nur, weil ich mich mal öffnete, um mein Hörexperiment auszubauen (nämlich unter fremde Leute zu gehen und das Hören zu üben).
Oh, was für ein wunderbares Geschenk! Mein Vater ist nämlich vor zwei Jahren gestorben und ich vermisse ihn schon noch sehr und da kam dieser Mann, sein alter Arbeitskollege und stieß mit mir auf meinen Vater an und die Einsamkeit verschwand. Ein Teil von der Geschichte meines Vaters habe ich in meiner neuen Heimat gefunden und das macht mich so glücklich!!!
Mein Lotsendienstkumpel staunte, wie wir uns stundenlang unterhielten und fragte, ob wir die beiden schon länger kennen würden, weil wir uns auch so herzlich und umarmend verabschiedet hatten.
Wie mir dann mein Kumpel erzählte, was er eigentlich so arbeitet, wir hatten das nie so ausgetauscht, es ging mehr um alles andere… hat er mir angeboten, wenn ich seine Unterstützung für Pläne oder Selbständigkeit benötigte, dann solle ich zu ihm kommen.
Das war für mich einfach gigantisch, weil… wisst Ihr… Unterstützung ist nicht grade etwas, was ich vor Herxheim kannte. Ich war sehr einsam und irgendwie legte man mir lieber Steine in den Weg, als mir zu helfen oder uns. Und hier in Herxheim fühle ich mich ja schon fasst auf Händen getragen!
Als wir als Familie zu B.s und D.s Silberhochzeit eingeladen waren, unterhielt ich mich bis
2 Uhr 30 morgens mit verschiedenen Menschen und hörte den Beiträgen dazwischen gut zu.
Abgesehen von den Essenspausen (wo wir uns auch etwas unterhalten hatten, nur in der zweiten haben wir halt für unseren Beitrag geübt), war ich die ganze Zeit mit den Ohren „horchend/hörend/lauschend/verstehend“ auf „Achse“.
Das bedeutete für mich eine laute Umgebung, viele Beiträge, viele Menschen, die ich selten oder noch nicht gesehen habe, also eine für eine fast Gehörlose wie mich, eine unglaublich anstrengende Geräuschumgebung und mit „Hörhygiene“ hat das überhaupt nichts zu tun. Viele kapitulieren unter solchen Umständen auch mit leichterer Schwerhörigkeit und auch Normalhörende finden das nicht immer angenehm auszuhalten.
Nun war ich dort und B. hatte sich im Vorfeld Gedanken gemacht und mir ihre Texte gegeben und mich gebeten, in der Organisationsgruppe zu fragen, ob ich auch deren Texte erhalten könne. Ich weiß nicht, ob B. etwas nachgeholfen hat, aber ich hatte alle Texte erhalten, fast alle, aber spontane Reden sind halt auch spontan. So viel Vorbereitung hatte ich noch nie vor mir. Gut, dass ich die langen Texte von B. schon vor der Feier erhalten hatte. Von E. bekam ich noch einen umgedichteten Liedtext und den Rest hatte ich erst auf der Feier selbst erhalten.
Es war das erste Mal, dass sich jemand so bemüht hatte, Texte für mich zur Verfügung zu stellen. Nicht einmal in unseren Familien, noch bei den bisher Bekannten und Verwandten, niemand ging auf manche Bitte ein, mir doch im Vorfeld einen Text zu geben, damit ich überhaupt daran teilhaben konnte. Wieso auch immer, weil die Texte ja schon geschrieben waren… ich habe sie ja nicht um „Mehrarbeit“ gebeten, sondern nur um eine Kopie. Deshalb war das auch eine ungewohnte, liebevolle Aufmerksamkeit, die mir aufzeigte, dass ich jemand als Mensch auch wichtig genug bin, um mich wirklich in die Feier einzubinden.
Dennoch: Auch mit Text, ist es für so stark Hörgeschädigte eine Herausforderung, aber was der Gesangsunterricht bei B. noch förderte, war nämlich meine Merkfähigkeit. So gut, konnte ich Texte noch nie verinnerlichen. Wenn ich früher schon in der Schule Texte lesen musste und auch noch vorlesen… das war für mich eine „Blank-Situation“, mein Hirn blieb ein weißes Blatt, an dem die Buchstaben einfach nicht hängen blieben. Heißt, ich konnte mir gar nicht merken, was ich da gelesen hatte, ob leise oder laut und wenn ich nervös war, verschwamm das alles auch noch direkt vor meine Nase und wurde unleserlich.
Und diese Veränderungen, die erlebte ich extrem nun seit ich bei B. war:
Einmal, weil ich die vielen Liedtexte für den Chor auswendig lernen musste und zum anderen, muss sie noch andere Bereiche in meinem Gehirn aktiviert haben, die aber schon seit meiner Jugend nicht mehr richtig „funktionierten“. So habe ich alle Texte lesen und mir dabei auch fast alles gut merken können, denn das merkte ich dann wiederum daran, dass die Personen, die etwas vorgetragen hatten, für mich gut zu verstehen waren, denn ich hatte den Text im Kopf und manchmal „hörte“ ich ihn dann voraus.
Und wenn ich es nicht verstanden hatte, ergänzte mein Gehirn es mit dem Gelesenen.
Das ging nie… selbst, wenn ich den Text dauernd nachgelesen hätte (also früher), mein Hirn wollte einfach in solchen Situationen nichts aufnehmen. Und dort las ich die Texte Tage vorher oder eben die anderen am selben Abend, wobei ich dazu sagen muss, dass ich sie teils nur einmal durchlesen konnte und dann eben „hören“ oder „vom Mund ablesen“ musste. Und was soll ich sagen? Selbst im Vergleich zu meiner Jugend, hatte ich so viel verstanden, es war, als ob mein Gehirn sämtliche Leitungsareale freigelegt hat, die ich auch mit jungem Gehirn nicht offen hatte.
Also der Unterricht bei B. und unsere gemeinsame Arbeit regenerierte nicht nur mein Hören und förderte mein Sprechen, nein, es passiert so viel mehr!
Jedenfalls bat ich Eike, die mich seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte, ihren Eindruck zu schildern von vor einem Jahr (in unseren Anfängen) und den Eindrücken, die sie bei dem Fest hatte.
Schon beim Fest sagte sie, dass sie so einen enormen Unterschied feststellen konnte.
Hier noch einmal nachzulesen:
https://horchiversum.de/stimmen-zu-meiner-chorerfahrung-und-meiner-hoerentwicklung/
Was mir an dem Abend besonders aufgefallen ist, außer der gesteigerten Merkfähigkeit:
Ich habe ja ein Programm im Hörgerät, das nennt sich „Richtmikrophon“. Das bedeutet, dass
die Umgebungsgeräusche sehr gedämpft werden, und der Hörwinkel nach Vorne sehr verkleinert wird. Heißt, wenn ich jemand verstehen möchte, muss ich ihn auch direkt anschauen, dann geht dieser Hörwinkel genau in diese Richtung und irgendwie fühlt es sich auch so an, als ob das Gerät die Sprache identifizieren könne.
Jedenfalls muss man sich das so vorstellen, dass ich mir einen „Sprechblase“ anhöre.
Das alleine ist eine tolle Sache, bei meinem neuen Hörgerät und gibt mir so viel Hör- und Lebensqualität, allerdings muss ich dazu sagen, dass auch hier die Konzentration nicht lange gehalten werden kann, also normalerweise… jedenfalls nie einen Abend lang, in einer sehr lauten Geräuschkulisse.
Und doch… irgendwie muss ich durch das Singen (da fokussiert man ja den Ton auch), ein Konzentrationstraining absolviert haben, denn ich kann den Fokus auf das, was ich höre, also diese „Sprechblase“ sehr, sehr lange halten und zu meinem Erstaunen wirklich bis in die Nacht hinein, selbst mit etwas Wein.
Anmerkung: Das hat sich tatsächlich noch weiter ausgebaut und nun kann ich auf allen Festen hörtechnisch gut teilnehmen.
Mein Mann hatte da die „Stille Ecke“, die B. für uns aussuchte schnell nutzen müssen (sie hat sich informiert, dass es oft eine große Belastung ist, Mitten im Getümmel zu sitzen und hat ganz gezielt den von der Hörhygiene her besten Platz für uns ausgesucht), denn er war völlig überfordert mit der Hörumgebung und zog sich tatsächlich zurück. Einmal dort und dann später mit mir an die Bar, wo es auch eine Art „stillere Ecke“ gab.
Mein Mann hört deutlich besser und doch ist es mir zum zweiten Mal aufgefallen, dass ich auf einem Fest alles oder fast alles oder zumindest sehr, sehr vieles verstehe, während er mehr abschaltete und immer weniger verstand. Bei der 70er Geburtstagsfeier seiner Mutter, ist es mir zum ersten Mal aufgefallen.
Das Hörgerät ist so gut auf mich eingestellt, dank Marc Donner und seinem Team, dass ich tatsächlich viel, viel, viel besser hören kann und mit geübtem Fokussieren und der nötigen Konzentrationsausdauer dazu, gehöre ich nun viel mehr auf den Festen dazu, denn ich kann mich jetzt unterhalten.
Das war vor einem Jahr gar nicht möglich. Jedes Fest war mehr ein Anwesendsein, statt einem
Dabeisein. Heißt: Wir haben in der lauten Umgebung gar nicht kommunizieren können und weiter als, wie geht‘s sind wir nicht gekommen… wir mussten nämlich auch da schon viel nachfragen, weil jeder Satz eine Herausforderung darstellte… angesprochen zu werden, war für mich die Hölle. Für Alf ging es, also er hörte damals schon besser als ich und heute eigentlich auch, aber während er früher
wenigstens ein paar Gesprächsfetzen führen konnte, war das für mich gar nicht möglich, auch nicht mit Richtmikrophon.
Also aßen wir meistens nur was, unterhielten uns nur mit uns selbst (also mein Mann und ich) oder wir zogen uns dann bei allen Gelegenheiten an ruhige Orte zurück, meistens zu den Rauchern nach draußen. Dort war dann für Alf auf jeden Fall eine wunderbare Kommunikation möglich, für mich allerdings war das auch noch anstrengend genug, weil ich die Münder nun auch nicht oft sehe und bei dem Krach hat mein Gehirn schon zum großen Teil abgeschaltet. Dennoch unterhielt ich mich manchmal 1:1 mit jemand, doch die meiste Zeit, wollte ich meine Ruhe haben und damit das nicht so ungesellig aussah, ging ich entweder zu den Kindern spielen oder schaute mir Blumen an, streichelte Katzen oder was auch immer… oder ich ging auf die Tanzfläche, wenn es eine gab… jedenfalls ging ich in eine für mich aktive Phase über, die ich aber für mich alleine, vielleicht mal mit Alf, der aber oft eher in Gesprächen verwickelt war, ausgestalten konnte. Da war ein Miteinander eben eher über das Lachen oder das gemeinsame Tanzen möglich, aber nie über Kommunikation. Ich war den Leuten schon sympathisch, aber reden konnte man halt nicht mit mir, gar nicht… und ich wollte es auch nicht, weil es für mich immer unangenehm ist… oh… ich muss wohl sagen WAR!
Also machte die Silberhochzeit im Vergleich zu den Feiern früher einen Riesenunterschied.
Ich konnte allen Beiträgen sehr gut folgen und ich sprach mit gar nicht so wenigen, für mich fremde Münder. Und das konnte ich bis in die Nacht halten und danach war ich immer noch nicht kaputt… ausgelaugt, genervt oder völlig vom Hören her ausgebrannt… nein, gar nicht… es war eine tolle Erfahrung und mein „Gehirn“ blieb frisch und nicht wie sonst… ein weißes Blatt… oder eher eine
dichte weiße Nebelwand, die undurchdringlich war.
Erstes Theatererlebnis mit Danny:
Ein weiteres Extrembeispiel eines für mich Riesenerfolges war mein allererster Theaterabend, den ich mich hier in Herxheim getraut hatte. Oh, ich habe schon früher mal Theater und so versucht, aber das war einfach eine Unmöglichkeit vom Hör-Verstehen her… einfach sinnlos.
Sag ich mal so: Wenn ich mal ein Wort richtig verstanden habe, war ich glücklich. Aber ich kann doch keine vernünftige Handlung über Wortfundstücke zusammenschustern und es ist auch nur alleine von den körperlichen Ausdrucksweisen nur im sehr, sehr groben Rahmen zu erfassen, was da vor mir abläuft. Schlicht… es machte keinen Spaß… und die Bedeutungen gingen verloren, also die Handlungsbögen waren völlig für die Katz.
Als ich auf dem „Fest der Weine“ in Herxheim war (Juli 2022), traf ich Daniel Baudy, ein Chormitglied von dem Projektchor, bei dem ich ja auch mitgesungen hatte. Wir kamen ins Gespräch wegen dem Theater, und er selbst ist immer mal wieder bei einem Stück dabei, dass es unmöglich für mich wäre, eine Theatervorstellung zu besuchen.
„Ach,“ sagte er, „wenn Du den Text vorher bekommen würdest, müsste es doch gehen.“ Er wolle sich mal drum bemühen…
Ich dachte mir, dass er das bestimmt wieder vergessen hatte, weil zwischen Reden und Tun liegen Welten, vor allem, wenn die Weinkostprobe schon im späten Abend angekommen ist.
Doch tatsächlich: Er meldete sich wieder bei mir!
Und zwar damit:
„Hallo Moni, hast du Lust auf Theater? Für Donnerstag
Generalprobe um 19 Uhr, möchte ich dich (gerne mit Begleitung)
recht herzlich zum Theater in Hayna einladen. Du kriegst die
Texte für die verschiedenen Szenen und dann werden wir sehen
wie es dir damit geht! Das Chawweruschtheater hab ich auch
schon angesprochen und die sind ebenfalls nicht abgeneigt dir
zum besseren Verständnis die Texte zu überlassen! Also wenn
du Lust hast dann melde dich bei mir und ich schreibe dir das
ganze Procedere! LG Danny“
Und zwar für dieses Stück:
https://www.chawwerusch.de/theaterspaziergang-hayna-2022/
Lieber Danny!
Was für eine Freude!!!
Oh, das ist so lieb und ich bedanke mich vom Herzen für die Einladung! Und ja, ich nehme diese einmalige Gelegenheit an und freue mich schon darauf! Du hast geschrieben, mit Begleitung… mein Mann würde das natürlich auch sehr interessieren, aus dem gleichen Grund. Er hört auch schlecht… nur nicht ganz, ganz so schlecht wie ich und geht deshalb auch nicht ins Theater. Nur müssen wir schauen, ob es bei ihm klappt, sonst komme ich alleine.
Danke! Danke einfach!
Liebe Grüße Moni
Das heißt also ja?
Jaaaaa!
Keine paar Tage später:
Also Moni! Am Donnerstag Abend ca 18:45 Uhr Treffpunkt
in Hayna Höhe Friedhof! Ich bin vor Ort und gebe dir die
Texte und kläre das mit dem Eintritt! Für euch ist der kostenlos
und wenn dein Mann nicht will oder kann dann nimm
eine Freundin mit. Ich freu mich dich zu sehen und wünsche
dir noch einen schönen Sonntag! LG Danny
Du bist so lieb! Danke! Ich bin so gespannt, aber selbst, wenn es nicht gleich so ist, wie es vielleicht sein sollte, das macht nichts… Du hast ja miterlebt, wie ich langsam in den Chor reingewachsen bin, erst als kleines schüchternes Ding irgendwo da Vorne, stumm und gleich wieder weg… und mit der Zeit wurde es immer besser… ich lasse es einfach auf mich zukommen und alles davon ist ein Gewinn! Schon alleine, die Bereitschaft so nett zu sein… das ist ja schon gigantisch genug! Das rührt mich sehr! Hab auch noch einen schönen Sonntag und einen wunderbaren Feiertag!
Liebe Grüße Moni
Hi Moni, so wie ich dich kenne bzw. kennengelernt
hab schaffst du das auch! Wenn du in einem Chor
mitsingen kannst dann dürfte das Theater eines der
leichteren Probleme sein! So wie ich die Texte habe
melde ich mich bei dir dann kannst du evtl. schon
mal rein schauen damit du weißt was dich erwartet!
Einen schönen Feiertag noch!
Was soll ich sagen???
Es war so, so, so, so, einfach so eine tolle Erfahrung!
Ich habe statt einzelnen Wörtern, ganze Sätze verstanden und diese ganzen Sätze summierten sich die ganze Vorführung lang zu einem kompletten Theaterstück.
Es war so eine wunderbare Erfahrung! Das, was ich nicht verstanden hatte, das hatte ich ja im Kopf, weil ich den Text vorher durchlesen durfte und so konnte ich zum ersten Mal ein vollständiges Stück aufnehmen, genießen und ihr glaubt es nicht… auch noch mitlachen!!!
Zuerst dachte ich… na… alles was klappt, ist ein tolles Ergebnis.
Wir gingen bei dem Theaterspaziergang ja von Station zu Station.
Die erste Station fand im Tabakschuppen statt und ich machte mir keine zu großen Hoffnungen, aber was hörten meine Ohren da? Was??? Ich verstehe sie??? Vor allem dann die Schauspielerin, die mir sofort ins Auge sprang, von der Deutlichkeit her und überhaupt…
Ich musste so oft bei dem Stück lachen, aber eigentlich wollte ich nur heulen vor Freude… und so bin ich zwischen beiden Emotionen hin und her geworfen worden. Das gibt es doch nicht!!!
Davor war ich sowieso schon nervös, weil das ja für mich eine riesige Überwindung war, mir so etwas „anzutun“, aber hier in Herxheim geht es nicht anders, hier kann ich nur Neues wagen, weil sich hier alles irgendwie für mich verändert hat.
Aber zurück zum Theaterstück:
Ich war nach der ersten Station platt und so selig, selbst, wenn ich jetzt nichts mehr verstanden hätte, dann wäre diese eine Station schon viel, viel mehr gewesen, als sonst in meinem Leben, letztendlich war dieses Stationen-Stück ja ein abgeschlossenes Stück und das alleine hat alle Jahre geheilt!
Danach ging es zur nächsten Station ins Bürgerhaus.
Es wurde mir ein Stuhl vorne freigehalten und so konnte ich alles gut einsehen. Hier war es etwas schwieriger zu verstehen, aber da ich den Text im Kopf hatte (und zur Not in der Hand), konnte ich das Stück anhand der Aktionen genießen und auch lachen. Da war mein Hörverstehen nicht so perfekt, wie beim ersten Stück, aber das lag auch teils an den Schauspielern, es gibt einfach welche, die sind leicht vom Mund abzulesen und sie sprechen sehr deutlich und andere, da war es einfach schwerer. Aber bitte, ich habe sonst gar nichts verstanden… und dort zu 75% akustisch und über die Textergänzung natürlich zu 100%.
WOW! Wieder ein Jackpot! Also für mich!
Ich strahlte Danny an und sagte ihm, dass ich auch dieses Stück gut verstanden hätte und wir schon tolle Erfolge erzielt hatten.
Doch dann ging es weiter, nämlich zu den Monologen auf dem Spielplatz.
Oh, dachte ich mir: „Das wird wohl nix!“ Im Dunkeln und dann auch noch Monologe und immer wieder neue Situationen und Hörumgebungen…
Danny schob oder winkte mich zum richtigen Platz und zu meiner Freude war auch gleich die Schauspielerin als erste mit ihrem Monolog dran, die mir auch im Tabakschuppen so aufgefallen ist.
Ich sag Euch was: „Einfach unglaublich!!!“ Ich habe sie vollständig verstanden, also zu 100% und ach, ich habe es noch gar nicht erwähnt, dass das Stück im Pfälzer-Dialekt gehalten wurde oder zumindest im Pfälzer-Slang.
Dazu möchte ich kurz ein Stück von der WhatsApp-Nachricht von meiner Freundin M. einfügen:
So, jetzt hab ich mal Zeit . Find’s großartig, was sich bei Dir entwickelt und dass die Leute Dir die Türen öffnen. Ich würde wahrscheinlich nicht durch jede durchgehen, weil mir Manches zu anstrengend wäre, z.B. solche Mundartgeschichten verstehen zu wollen. Würde z.B. auch kein Theaterstück in einer anderen Sprache sehen/hören wollen, auch wenn mir einer vorab die Texte in die Hand drückt. Soll heißen, wenn es Dich interessiert, ist das super prima, wenn Du teilhaben willst. Aber in Bezug auf dieses Mundartstück ist die Frage, inwiefern der „Mehraufwand“, den beide Seiten haben sinnvoll ist. Wahrscheinlich bin ich da bloß zu rational, wohingegen Du das auf Gefühlsebene bewertest…
Wir waren in der 10ten oder so doch bei diesem Trierer Mundartabend mit dem Kopp, wo Marcel die Beiträge so gut wie es ging übersetzt hat, das war gefühlt so sinnlos. Selbst wenn wir die Texte in der Hand gehabt hätten, das erfolgreiche „Hinterherlauschen“ hätte den Abend auch nicht besser gemacht, denn es wäre vermutlich eher das schöne Gefühl gewesen akustisch mitgekommen zu sein als die Freude an der Mundart.
Liebe M., der Mehraufwand für mich und die andere Seite scheint sich in allen Aspekten gelohnt zu haben, oder Danny?
Die anderen Monologe waren auch wunderbar zu verstehen, ich meine, ich kann ja nicht klagen, dass es nur 90 – 95% waren… überlegt mal… von 0 auf 90%!!!
Anschließend fanden wir uns dann in der Festhalle von Hayna wieder, wo die Gaststubenszene gespielt wurde.
Das war wieder etwas schwieriger zu verstehen, aber das machte mir nichts aus, denn ich hatte ja den Text und somit war ich vollständig bestückt mit allem, was mir das Verstehen an diesem Tag erleichterte.
Ich hatte jemand an der Seite, der mich von Platz zu Platz führte, mir beim „Durchdrängeln“ half und an meiner Seite blieb. So fühlte ich mich überhaupt nicht aufgeworfen oder musste umständlich nach geeigneten Plätzen suchen oder mich damit abfinden, dass ein hoher Herr vor mir stand oder was auch immer, eben diese ungünstigen Dinge, die das Zuhören noch deutlicher erschwerten oder verunmöglichten.
Als das Theaterstück vollständig zu Ende war, konnte ich mich gar nicht mehr halten und musste einfach heulen. Dann hatte ich mich beruhigt und wollte meiner „Lieblingsschauspielerin“ die Hand schütteln und sie loben, aber ich fing nur an zu heulen und sie fragte mich, was denn los sei und sie konnte es nicht einordnen. Da habe ich Danny zur Erklärung vorgeschickt und so hat sie es dann auch verstehen können und ich mich auch beruhigen können.
Leute, es kann keiner verstehen, wie toll es ist, etwas zu tun, was bisher unmöglich war und einen großen Teil der Kultur ausmacht, denn egal, ob Beiträge auf einer Feier oder Theaterstücke oder Veranstaltungen auf Festen oder oder oder… eigentlich war ich da überhaupt nicht in diesen „Gesellschaftsteil“ eingebunden.
Ich hasste es gar, so tun zu müssen, als ob ich es toll fand (halt auf Familienfesten), denn mein inneres Gefühl wollte ich natürlich nicht zeigen. Es war jedes Mal für mich so traurig, mich so abgeschottet zu fühlen und schlimm war immer, dass mir niemand den Text geben wollte, obwohl das doch kein Problem darstellen sollte, denn da muss man höchstens mal den Drucker noch einmal betätigen… aber nein… ich war ja schon alleine mit der Frage einfach zu anstrengend in dieser Hinsicht und so saß ich dann bei Familienfeiern gelangweilt herum, zeigte zur Show etwas Interesse, aber innerlich weinte ich.
Noch schlimmer war es, wenn Leute mich auch noch einbinden wollten, denn ich wimmelte sie immer ab und dann wurde immer blöd gefragt warum und am mir gezogen… hey Leute, wie soll ich mich denn einbringen, wenn ich nicht verstehe, worum es geht und dann stehe ich noch blöder da rum, nur diesmal mit „Scheinwerferlicht“ auf mir drauf. Wie unangenehm das immer war… und wenn ich mich wehrte, dann hieß es, dass ich ne komische „Zicke“ wäre… ich solle doch die Feier nicht beschweren. Mache ich doch gar nicht, ich wollte bloß in Ruhe gelassen werden.
Und jetzt im Vergleich zu vorher:
Ich war auf der Silberhochzeit vollständig integriert und verstand alles, ich war ein Teil und nicht nur irgendwie halt da und beim Stationen-Theater fühlte ich mich pudelwohl und glücklich.
Das ist so etwas einmal erleben würde, konnte ich mir nicht mehr vorstellen. Ich kannte das nur noch aus Trier, der Schule für Schwerhörige, aber das war ja auch eine Schule, die darauf ausgerichtet war, dass wir verstanden, was aufgeführt wurde.
Und so fädeln mich immer mehr liebe Menschen nicht nur in die „Herxheimer Gesellschaft“ ein, sondern auch in die Hörwelt! Es ist, wie eine Neugeburt!
Danny hat sich übrigens auch zu unserem gemeinsamen Experiment geäußert, nachdem ich ihn lieb fragte, ob ich das hier veröffentlichen darf und ob er noch ein wenig eigene Worte finden möchte. Ich zitiere ihn wieder:
(19.10.2022)
Für mich war es ja irgendwie auch ein „Experiment“ das im Nachhinein als gelungen zu bezeichnen ist! Deine Reaktionen an den einzelnen Spielorten waren für mich einfach als fantastisch zu bezeichnen.
Und
Ich hatte eigentlich nie das Gefühl eine „Hörbehinderte“ Person dabei zu haben! Es machte Spaß, dir dabei zuzusehen wie du in diese Szenen „eingetaucht“ bist. Dein Lachen, deine Freude und dein Glück zu sehen! Natürlich hattest du sicher auch einige Probleme manche Schauspieler zu verstehen aber man muß auch bedenken daß es alles Amateure waren die hier spielten und wir nicht gezielt für „Menschen mit einer Hörbehinderung“ (ich hoffe das ich mit dieser Ausdrucksweise richtig liege?) gespielt haben! Aber es hat auch mich sehr gefreut daß es dir gefallen hat und du, wenn auch evtl. nur dich, wieder eine neue Tür aufgestoßen hast. Wie bei unserem Chorprojekt hast du dich auch da voll reingekniet und wieder eine neue Erfahrung gesammelt. ich möchte dir solche Erfahrungen auch weiterhin ermöglichen und werde dafür mein Möglichstes tun und möchte dich bestärken diese Möglichkeiten zu nutzen! Mein Gehirn rattert diesbezüglich schon auf Hochtouren denn es gibt im Chawweruschtheater sicher das ein oder andere Stück das du dir ansehen kannst. Ich werde zu gegebener Zeit auf dich zukommen. Liebe Grüße Danny
Oh Danny, bring mich doch nicht immer zum Heulen! Danke, danke für alles! Und ich freue mich auf weitere Theaterreisen mit Dir!