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In den Vagusnerv-Übungen habe ich ja darauf hingewiesen, dass das, was für mich gesund hätte sein können, ganz anders vom Körper aufgenommen wurde und zwar verwandelten sich die „gesunden Übungen“ in weitere Trigger. Am Anfang noch nicht, weil ich mich „geschützt“ fühlte, aber das änderte sich mit der Zeit, die Herausforderungen waren einfach doch zu viel und in der Hoffnung, es würde mit der Zeit besser werden, machte mich der Unterricht so krank, dass mir keine andere Wahl blieb, als mit ihm aufzuhören. Heute gehen wir nur mal auf diesen „Vagusnerv-Teil“ ein.
Später zeige ich konkret, was wie beim Unterricht aufgebaut war und wo ich nun weiß, was ich vermeiden oder umprogrammieren kann. Ein Fakt ist einfach:
Der Impakt auf meine Seele hat tiefe Krater hinterlassen und wurden vergrößert durch den Gesangsunterricht… ich wusste, sie würde meinen Panzer sprengen und ich wusste, es musste sein, damit ich wieder fühlen kann, was richtig und nicht richtig für mich ist, aber ich wusste nicht, wie tief ich in diesen Schmerz eintauchen musste, damit ich aufgebrochen werden konnte und das Aufbrechen hatte natürlich Konsequenzen mit sich gebracht.
Es ist im Kunstbereich oder wo auch immer, wenn man etwas erreichen möchte, was nicht „normal“ ist so, dass man durch den Schmerz geschmiedet wird und deshalb habe ich das auch so angenommen, also diesen Schmerz, weil ich etwas erreichen wollte, was ich wusste, das gibt es so nicht oft oder sehr selten.
Aber Stand heute würde ich sagen:
Das macht man nur einmal… wenn man das noch einmal macht, dann muss man schon sehr irre sein!
Und:
Es sollen auch keine „Opfer-Täter“-Geschichten sein, nur Einblicke in das, was nun einmal ein großer Teil meiner Gesangsreise ausmachte.
Nun gehen wir mal zur ersten Aufschlüsselung über:
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Ich schrieb wieder mit Grok:
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Das habe ich im Gesangsunterricht gemacht (also einige der „Vagusnerv-Übungen)… aber es hat eher alles unkontrolliert freigelegt und weil ich und meine Gesangslehrerin nicht wussten, wieso das so bei mir war… sie hat es sonst noch nie erlebt… bin ich bald nach jedem Gesangsunterricht (weil dass Singen auch über all meine Nervenbahnen ging) für einige Zeit total überfordert gewesen und wurde teils krank.
Zwar hat sich dann mein neuronales Geflecht neu gebildet, aber es war alles andere als angenehm und wurde mit der Zeit schlimmer, statt besser, also die Trigger ließen mein Nervensystem noch schneller aufheulen… so waren manche Lieder schwierig für mich, weil sie emotional noch zusätzlich getriggert
haben…
Liebe Moni, das, was du da beschreibst, ist ein sehr klassisches und gleichzeitig sehr intensives Muster, das man bei Menschen mit hoher Sensibilität + chronischem Alarmzustand + früher Dissoziation häufig sieht.
Es ist fast wie ein Paradoxon:
Singen (das eigentlich heilen und regulieren sollte) hat bei dir die Schutzschichten durchbrochen – und dadurch alles freigelegt, was jahrzehntelang „sicher“ weggesperrt war. Das Nervensystem hat dann überreagiert, weil es plötzlich mit all den alten Schichten gleichzeitig konfrontiert wurde.
Lass mich das, was du erlebt hast, Schritt für Schritt benennen und erklären – so, dass du siehst, wie logisch und nachvollziehbar das war (und dass es nichts mit „Schwäche“ zu tun hat).
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1. Warum Singen bei dir so stark „aufgerissen“ hat
Singen ist einer der direktesten Wege, den Vagusnerv zu stimulieren – und damit das parasympathische System.
Die Vibration im Brustraum, Rachen und Kopf aktiviert den Nerv direkt.
Die tiefe Atmung (Zwerchfell) massiert ihn mechanisch.
Emotionale Lieder laden alte Gefühle hoch, die im Körper gespeichert sind (nicht im Kopf).
Bei den meisten Menschen wirkt das regulierend (Entspannung, Tränen als Entladung, besseres Wohlbefinden).
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Bei dir war es anders – weil dein System schon so lange im Alarm war:
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Der Vagusnerv war untertonisiert (schwach, wenig flexibel) durch jahrelange Sympathikus-Dominanz.
Gleichzeitig war er hypersensitiv auf Trigger (weil er nie richtig „runtergefahren“ wurde).
Als du durch Singen plötzlich starke vagale Stimulation hattest → kam es zu einem plötzlichen Shift aus chronischem Alarm in Richtung Regulation, also:
Der Körper war jahrelang auf Dauer-Alarm gestellt – und plötzlich, fast wie ein bei einem Lichtschalter, ging er in den Ruhe- und Erholungsmodus über.
Weil die alten Traumata noch nicht verarbeitet und integriert waren, konnte dieser Übergang nicht sanft und heilsam verlaufen – stattdessen wurde alles, was darunter lag, plötzlich und heftig an die Oberfläche gespült.
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Das Ergebnis:
Emotionale Überflutung (Flashback-ähnliche Zustände, plötzliche Tränen, Panik)
Körperliche Überforderung (Herzrasen, Zittern, Erschöpfung, Lymphsystem-Reaktion, Schwindelanfälle, Gleichgewichtsstörungen, Erschöpfung)
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Und weil es so intensiv war, hat dein System danach wieder in den Alarm hochgeschaltet – um dich zu „schützen“.
Ein Teufelskreis entstand:
Singen → Aufbrechen → Überflutung → Alarm → Erschöpfung/Krankheit → nächstes Mal noch sensibler.
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2. Warum es mit der Zeit schlimmer wurde (statt besser)
Genau das ist typisch für ein nicht-integriertes Nervensystem:
Jeder Gesangsunterricht war wie ein „Trigger-Training“:
Dein System lernte:
„Wenn ich singe → kommt die Überflutung → muss ich noch schneller hochfahren.“
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Die neuronale Bahnung wurde stärker: Je öfter du gesungen hast, desto schneller und intensiver kam die Reaktion.
Die Lieder und die Übungen selbst wurden zu Triggern: Emotionale Texte/Melodien
aktivierten alte Schichten (Scham, Ohnmacht, Verlassenheit), Sicherheitsgefühl war weg, weil der Körper gelernt hat, dass sofort nach der Entspannung eine Triggerflut auf ihn zukommen wird
→ noch mehr Alarm.
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Dein Nervensystem hat nicht gelernt „zu regulieren“, sondern „sich noch schneller zu schützen“ → die Toleranzschwelle sank, die Reaktionen wurden schneller und stärker.
Das ist kein Versagen von dir oder deiner Lehrerin.
Das ist ein Nervensystem, das nie die Chance hatte, in einem sicheren, begleiteten Rahmen zu lernen, wie man starke vagale Aktivierung aushält und integriert.
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3. Was das mit deiner Gesangslehrerin zu tun hatte
Sie hat etwas gesehen, das sie noch nie erlebt hatte – weil es selten ist. Die meisten Schülerinnen und Schüler haben entweder:
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ein stabiles Nervensystem → Singen reguliert sie
oder stark dissoziiert → Singen bleibt oberflächlich
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Bei dir war es beides gleichzeitig:
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Hochsensible Wahrnehmung + tiefe emotionale Schichten
Starke Dissoziation als Schutz
Chronischer Alarm
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→ Singen hat beides gleichzeitig aktiviert:
die Tiefe und den Schutz.
Das Ergebnis war eine Art emotionaler Vulkanausbruch, den sie nicht einordnen konnte (und du auch nicht).
(Anmerkung Moni: Das hier kann man an Wahrheit nicht übertreffen! Genauso war es!!!)
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4. Was du jetzt tun kannst (wenn du wieder singen möchtest)
Wenn du irgendwann wieder singen willst – ohne dass es dich danach zerreißt:
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Sehr langsam & dosiert beginnen (max. 5–10 Minuten am Anfang)
Vorher regulieren: 2–3 Minuten Vagus-Übung (z. B. 4-7-8-Atmen oder
Summen ohne Ton)
Währenddessen Erdung halten: Füße auf den Boden spüren, Hand auf Bauch/Herz, immer wieder „Ich bin hier, jetzt, sicher“ sagen
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Danach integrieren:
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5–10 Minuten Stille, Decke, Tee, schreiben: „Was ist hochgekommen? Wo sitzt es im Körper?“
Trigger-Lieder meiden: Erstmal nur neutrale oder fröhliche Stücke – emotionale Lieder später, wenn das Nervensystem stabiler ist
Begleitung: Wenn möglich mit einer trauma-informierten Gesangs-/Stimmtherapeutin (es gibt welche, die Somatic Experiencing (-> Körperorientierte Traumatherapie) oder Polyvagal-Theorie kennen („Unser Nervensystem bewertet unbewusst ständig Sicherheit oder Gefahr und schaltet je nach Einschätzung zwischen drei Zuständen: Verbindung (ventraler Vagus), Kampf/Flucht (Sympathikus) oder Erstarrung (dorsaler Vagus).“)
Du musst nicht singen, wenn es zu viel ist. Aber wenn es dich ruft – dann darfst du es jetzt anders machen: Langsamer, sicherer, mit Begleitung (auch innerer).
Du hast nicht versagt. Dein Nervensystem hat nur nie gelernt, dass Singen sicher sein darf. Jetzt kannst du es ihm beibringen – Schritt für Schritt.
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Ja, das war wieder schlüssig erklärt und ich kann auch sagen, dass ich bestätigen kann, dass es mir wieder besser ging, nachdem ich eine Weile bei Eike M. „Schmerzfrei“ Einzelkurse besucht hatte und dort genau das gemacht haben:
Nach den Körperübungen mit den „Black-Rolls“ und auch den freien Übungen allgemein, habe ich am Schluss unter einer Decke gelegen, während Eike dann, auf meinen Wunsch, neben mir sitzen geblieben ist (und so eine Wärme ausstrahlte) beim Aufschreiben , was wir gemacht haben und was wir für nächstes Mal vorplanen können.
Insgesamt hat sie auch einen geschützten Rahmen geboten, der mir sehr gut getan hat.
So baute sie langsam und liebevoll ein Netz unter mir auf, bis ich „stabiler und gesünder“ wurde.
Während die Gesangslehrerin mich aufgebrochen hat, hat mir Eike M. geholfen, zu erkennen, was „richtig und falsch“ ist, was Wohlfühlschmerz ist und überhaupt, dass ich meine Grenzen finden darf und das so sanft, dass ich gesünder und gesünder wurde.
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Weiter geht es mit: „Explosions-Konsonanten“
Wie sie auf meinen Vagusnerv gewirkt haben und warum die Sprechübungen (Texte, Gedichte, Konsonanten-Training) noch anstrengender waren, als das Singen.
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