Das bin ich:

Audiogramm von 2022

 

Nein… das bin ich: 

 

22. Januar 2025

Na, eigentlich bin ich natürlich beides, nur in der Gesellschaft und der Schwerhörigen-Welt war ich bis 2022 die Hörkurve – für Freunde und alle, die mich vollständig annehmen, bin ich die auf dem Foto!

Das obere Bild ist meine Hörkurve von 2022 und damit Ihr auch mal seht, in welchen Bereichen der Sprachbereich liegt, hat mein „Ohrenmann“ Marc Donner die Vokale und Konsonanten eingetragen. 

Man kann gut ablesen, welche Frequenzen ich ohne Hörgeräte hören konnte (ich schreibe in der Vergangenheit, denn seit 2022 hat sich einiges verändert) und welche ich nicht einmal mit Hörgeräten hören konnte. Der menschliche Sprachbereich liegt ungefähr zwischen 250 Hz und 5000 Hz. Die Hörbaren Frequenzen für einen „Guthörenden“ zwischen 20 Hz und 20 000 Hz.

Bei mir sieht man, wie die Kurven sowohl links, als auch rechts abgeschnitten sind (beide bei ca. 1000 Hz) und diese Bereiche konnte ich auch mit Hörgeräten nicht mehr hören. Das heißt, dass auch mit Hörgeräten alle Konsonanten vollständig unhörbar für mich sind. Während sich die Vokale zwar noch im Sprachbereich befinden, sind diese ausschließlich nur mit Hörgeräten für mich hörbar. 

 

Deshalb nennt man meinen Fall „an Taubheit grenzend“ / veraltet resthörig / nach der Berechnung von Hörstörungen (siehe Link) gehörlos, weil die Berechnung ab 0,5 kHz losgeht und ab da bin ich als gehörlos einzustufen, ab 1000 Hz waren gar keine Messungen mehr möglich. Aber ich fühle mich wie eine „Resthörige“. 

Hier kommt Ihr auf die „Stadien der Schwerhörigkeit“

und hier wird die Berechnung etwas ausführlicher erklärt: 

https://www.civnews.de/images/pdf/Berechnung-GdB-Hoerstoerungen.pdf

(Bei der Ergänzung heute dem 16.12.2025 habe ich bemerkt, dass ich vielleicht einen neuen Antrag stellen sollte, für meinen Behindertenausweis, weil meine Gleichgewichtsstörungen immer stärker werden und im Dunkeln habe ich gerne eine Hand bei mir, weil ab da ist das nicht mehr schön zu laufen, vielleicht komme ich auf ein B (mit Begleitung). Aktuell habe ich einen GdB von
80 und die Vermerke sind RF und Gl. Ich wusste nur bis gerade eben nicht, dass der Gleichgewichtssinn wohl noch eine Bewertungsrolle spielt.)

 

 

Durch mein trainiertes Gehirn, höre ich die Wörter ähnlich, wie bei den Wortspielen: 

Axx ixx meine Liexe xex Lexenx!

x steht hier als unbestimmte Hörvariable

Wobei natürlich, je nach Sprecher, die Vokale oder weiteren Konsonanten durchaus verschluckt werden.

 

Deshalb ist das Mundablesen unabdingbar (normalerweise), denn daraus formt sich dann ein Text, der verständlich wird. Drehe ich mich um, höre ich also nur einen Buchstabensalat, wenn überhaupt (eher ein Grundrauschen, würde ich mal so sagen). 

In Kombination mit dem Mundablesen ist das Gehirn gewohnt, blitzschnell aus all den verrückten Möglichkeiten vernünftige Sätze zu bilden und das funktioniert in der Regel ohne Verzögerung und die Trefferquote ist extrem hoch. 

Unter guten Bedingungen kommt es trotzdem manchmal zu einer „Hör-Versteh-Verzögerung“. Kurz gefasst: Das Gehirn hat noch nicht „fertiggerechnet“. Jemand sagt etwas, es ist irgendwie angekommen und man fragt gleich „Häh?“/“Hm?“ (oder wenn ich ans Höfliche denke, natürlich auch „Wie bitte?“) und bevor der andere es wiederholen konnte – oder während der Wiederholung – ist der Satz dann doch vollständig da. Ja, ähnlich, wie man eine „lange Leitung“ beschreiben würde, aber wirklich nur „ähnlich“. 

Aber selbst, wenn ich das Gesprochene vom Mund ablese und mein Gehirn so fleißig rattert, heißt es nicht, dass ich es gut höre und immer verstehe.

Namen sind/waren deshalb immer die größte Herausforderung und im Grunde lag ich zu 100% daneben, weil mein trainiertes Gehirn besser in Sätzen zuordnen kann, welche Wörter da eben hineingehören und natürlich sorgt das auch mal für ein totales Nichtverstehen, je nach Konzentrationsvermögen und Umfeld, dass auch mein trainiertes Gehirn keine sinnvollen Wörter/Sätze mehr erkennen kann.

Das sind dann vor allem die Momente, wo es Zeit wird, einfach zu gehen. Wenn es z.B. dunkel wird (Kerzenlicht reicht nicht) oder das Umfeld zu laut ist oder wenn die Müdigkeit einkehrt oder ganz simpel, wenn das Konzentrationskontingent aufgebraucht wurde. Natürlich bleibe ich meist dann trotzdem in der Gesellschaft und „genieße“ das Rauschen, weil ich mich dann einfach zurücknehme und wie ein Kind auf Beobachtungsreise gehe. Manchmal aber lasse ich mich auch aufhalten und dann wird es für mich eben superanstrengend (wie z.B. nach einem ganzen Tag hinter den Kulissen beim Musical). Grundsätzlich ziehe ich mich aber zurück in meine Beobachtungsblase, denn ich liebe es Menschen, Tiere, Pflanzen, Wetter, ach eben alles zu beobachten und einfach zu „horchen“, deshalb auch das süße Mädchen auf meiner Startseite.

Nur ansprechen ist dann natürlich nicht mehr möglich und mich aus der „Blase“ holen hat dann auch keinen Zweck. Ich muss selbst wieder in das „aktive“ Hören eintauchen, wenn ich mich ausreichend erholt habe. Andernfalls bringt auch die 100ste gutgemeinte Wiederholung nichts mehr.

Was ist meine Hörwahrnehmung?

 

Ohne Hörgeräte höre ich so gut wie gar nichts, außer eben vielleicht ein Autobrummen, aber auch nur deshalb, weil ich die Vibrationen dazu spüre. Ich sag zum Spaß, dass neben mir die Bombe einschlagen könnte, wenn ich schlafe – davon würde ich auch nicht aufwachen.

Mit Hörgeräten wird es dann wieder eine spannendere Frage:

 

Zuhause oder unter meinen Freundinnen 

 

kommt mir meine Hörwahrnehmung selbst völlig normal vor, weil ich keinen Vergleich habe. Ich bin ja damit aufgewachsen. Ja, natürlich schauen wir uns auf den Mund und lesen das Gesprochene ab und unsere Tochter bemerkt das Ein oder Andere, aber zuhause sind wir völlig entspannt und fühlen uns nicht beeinträchtigt und führen auch stundenlange Gespräche. Und wenn wir mal typisch Schwerhörigen-Versteh-Momente haben, dann lachen wir oft darüber, weil wir das unter uns Drei mit Humor nehmen.

Unser „Ohrenmann“ Marc Donner meinte, dass dies nicht selbstverständlich wäre, dass wir auch zuhause so eine entspannte Atmosphäre hätten, weil er von vielen seiner Kundinnen und Kunden erzählen, dass die Kommunikation und das Hörenverstehen auch dort zu Schwierigkeiten führt, also zu einem unentspannten Zustand. 

Aber auch in unserem Freundeskreis plaudern wir ganz zwanglos und ohne Kommunikationsbarriere und wir haben nicht nur hörgeschädigte Freunde; die Mehrzahl ist „guthörend“. 

Ja, natürlich kann ich nur mit Untertitel Filme schauen, deshalb fallen bei uns die üblichen Sender weg und Musik kann ich auch nur rudimentär wahrnehmen, vor allem die Songtexte verstehe ich fast nicht, und wir helfen uns mit dem Blitzgerät für die Klingel und als unsere Tochter noch im Babybett lag oder neben uns, da hat mein Mann immer mit einem Hörgerät geschlafen und unsere Nächte waren nicht sehr erholsam (aber Babys die durchschlafen sind sowieso der Traum aller Eltern), aber rein in unserer Blase fühle ich mich als Moni, nicht als Schwerhörige, weil wir uns ja auch sehr gut verstehen (also akustisch auch) und wir benutzen auch keine Gebärdensprache… nur zum Spaß oder als „Goodie“.

Ihr seht auch, dass die technischen Hilfsmittel große Alltagsunterstützungen sind und für uns inzwischen schon zur Normalität gehören, was natürlich ganz lange nicht vorhanden war.

Wenn ich mich noch an die Untertitelanfänge erinnere:

Erst konnten wir nur über die beiden ersten Sender Filme mit Untertitel schauen, aber auch nur sehr wenige, später wurden Videos untertitelt, für die wir einen Encoder brauchten, doch auch hier war die Filmauswahl zuerst nur sehr klein (mit den Jahren wurde es kontinuierlich besser) und inzwischen können wir barrierefrei auf Netflix oder DisneyPlus oder Prime fast alle Filme mit Untertitel anschauen.

Mein absolut bestes Hilfsmittel, das nicht nur für mich selbst zuhause gut funktioniert, ist das Smartphone. Ich weiß, dass es zwar ein großes Für und Wider dafür gibt, aber mir hat es viele Grenzen aufgebrochen und mich vollständig aus meiner Kommunikations-Einsamkeit/Blase befreit, denn mit WhatsApp z.B. kann ich endlich selbst mit anderen oder in Gruppen kommunizieren und mit meinen neuen Hörgeräten kann ich sogar wunderbar Musik hören und auch deutlich besser verstehen. Auch etwas, was ich niemals mehr für möglich hielt, nämlich das Telefonieren, wurde mir eröffnet (es ist noch in den Kinderschuhen, deshalb telefoniere ich nach wie vor nicht gerne, weil ich das Mundablesen zum Hören nutzen muss/musste).

Hier gehe ich verstärkter auf verschiedene Hilfsmittel ein: 

 

„Draußen“ 

 

sieht das natürlich anders aus, da arbeiten meine Augen noch viel mehr mit, egal ob ich über die Straße gehe (ich höre die Autos nicht) oder mit den Begegnungen spreche. Die Augen sind dann meine Ohren. Die Ohren selbst nehmen eher ein Rauschen wahr. Einzeln mal Töne (Hupen), beim Sprechen liegt der Fokus natürlich auf dem Mundablesen (wie Oben schon beschrieben), im Chor klingt / besser klang alles wie eine Frequenzwolke, auf der ich mich getragen fühlte, aber keinen Ton oder keine Linie erkennbar war und in der Regel ist alles ziemlich laut, aber nicht verständlich oder identifizierbar.

An manchen Tagen hört sich jeder, der mit mir redet an, als hätte er herzhaft in einen Donut gebissen und dabei mit vollen Backen irgendwelche Worte und Sätze vor sich her kaut… das ist meist dann aber mein Gemüts-/Konzentrationszustand… aber wenn jemand seine Zähne zusammengeklebt lässt oder seinen Mund unter einem Rauschebart versteckt oder halt grundsätzlich wenig Gesichtsbewegung erkennen lässt, dann hängt das schon auch mit dem Gegenüber zusammen.

Und jedes neue Kennenlernen einer Person, ist, wie das Lernen einer neuen Sprache! Der Eine hat Hamsterzähnchen, der nächste volle Lippen, der eine schwäbelt, der andere pfälzert. Mit Leuten, die kein Deutsch können, mit denen verstehe ich mich oft ganz doll, weil die genauso verwirrt gucken wie ich und somit sind wir schnell beste Freunde, so alla, „geteiltes Leid, halbes Leid“ (und es gibt ja Hände und Füße).

Aber dann wiederum kann ich theoretisch jeden verstehen, den ich genug „erforscht“ habe. Dann darf es auch Englisch sein oder breites Pfälzisch oder egal was auch immer da so aus dem Mund heraus geformt wird und das kann ich dann auch von der Seite ablesen oder anderen ungünstigen Blickwinkeln, aber der Anfang ist erst einmal mit einer kleinen oder großen Forschungsreise verbunden. Manche verstehe ich sofort super gut, weil sie schon gewohnt sind, sehr deutlich zu sprechen. Davon gibt es allerdings sehr, sehr wenige und die ziehen mich natürlich sofort auch an, weil es einfach angenehm und entspannter ist.

So jemand haben wir z.B. bei den Südpfalzlerchen unter den Eltern gefunden… hach… einfach zum Reinlegen, wie in die Badewanne, da macht das „Hören“/“Horchen“ Spaß!

In Gruppen war ich total aufgeschmissen, was sich jetzt auch zum Teil sehr verändert hat und dank Richtmikrofon, welches ich früher nicht hatte, kann ich mich auch manchmal richtig gut durchschlagen. Dennoch sind Gruppen von zwei Seiten her oft anstrengend: Ich kann nicht gut übers Wetter plauschen, bevorzuge also tiefere Gesprächsthemen, mag aber auch keine ideologischen Gespräche über Politik z.B. und auf der anderen Seite als Schwerhörige ist die Grundgeräuschskulisse einfach zu hoch, wenn dann noch das Durcheinanderreden anfängt, dann ist bei mir Schluss gewesen. Also vor 2021 war jede Feier nur dafür da, um unseren (mein Mann und ich) Anwesenheitsstempel abzuholen und natürlich das leckere Essen zu genießen.

Mehr ist/war einfach nicht möglich. Auch Einzelgespräche machten dann keinen Sinn mehr. Das ist dann so, wie Ihr bestimmt noch als Kind kennt (oder manche von Euch). Da mussten wir auch brav sitzenbleiben und durften nicht spielen und langweilten uns dann so hockend auf dem Stuhl vor uns hin, während wir überhaupt nicht verstehen konnten, was die Alten da so schwatzten und sich jede Minute wie Stunden anfühlte. Jede Minute, in der man ausgiebige Fluchtgedanken schmiedete und vor sich her träumte, wann man sich wieder frei bewegen durfte, also wann man dem „Gefängnis“ entrinnen konnte. Bis dahin war man zum netten Lächeln und Bravsein verdonnert… und nahm die Backen-Kneifer von Tante Soundso in Kauf.

Ich weiß, das lesen meine/unsere Verwandten, Bekannten und manche Freunde nicht so gerne, aber große Familienfeiern sind schon die reine „Hörtortur“ und sie sind schon schön, aber es ist auch wieder schön, wenn sie vorbei sind/waren.

Oft fühlten wir uns deplatziert und wenn Vorträge, Spiele, Auftritte dazu kamen, war es noch langweiliger, weil man sich ja nicht nebenbei unterhalten konnte. Und weil man jetzt auch nicht halbeinschlafend vor sich hocken konnte/durfte und dadurch irgendwie so getan hat, als ob man doch irgendwas davon gut fand, war es zudem einfach frustrierend, denn obwohl wir in unseren Familien als Schwerhörige erkannt wurden, so machte man uns nie die Freude (auch nicht auf Bitten und Betteln hin), einen Text zum Selbstlesen mitzubringen, dabei hätte da einfach mal eine Kopie gereicht. Oder wir wurden als Spaßverderber betrachtet, weil man uns trotzdem unbedingt in „Spiele“ mit einbinden wollte, die hörtechnisch unmöglich für uns waren und somit wurde es für uns peinlich, wenn wir uns überreden ließen und doch mitmachten und es wurde für uns sehr unangenehm, auch, wenn wir möglichst freundlich ablehnten. Am Schlimmsten war es aber, als auf einer Hochzeit ein „Clown-Unterhalter“ gebucht wurde und der mich nicht in Ruhe gelassen hat, weil ich nicht mitmachen wollte (konnte). Da bin ich dann schon mit Tränen zur Tür raus und war für fast den Rest des Abends traurig. 

Aber auch solche Feiersituationen haben sich bei mir seit 2022 verändert…

Ah, ja, das möchte ich erwähnen: Theater oder sonstige Aufführungen oder Kino sind/waren vom Sprachverstehen her völlig im unmöglichen Bereich angesiedelt. Wenn ich einzelne Wörter heraushören konnte, dann war es schon spitze! Was will man aber mit einzelnen Wörtern?

Das wäre mal so grob aufgezählt, wie ich mein Hören wahrnehme oder wahrgenommen habe. Auf die einzelnen Bereiche gehe ich noch auf anderen Seiten hier im Blog genauer ein.

Und dann ist da ja noch die Moni, die ich unabhängig vom Hören her bin, die möchte ich Euch auch auf weiteren Seiten vorstellen.

 
Wenn Ihr Fragen habt, die ich noch beantworten kann oder dessen Antwort ich noch nicht veröffentlicht habe, dann nur zu! Der Blog ist ja extra dafür da, dass ich das erzählen kann, was Ihr mich schon oft gefragt habt und ich Euch so gerne auch erzählen wollte. 

 

Wir lesen oder sehen uns!

Bis bald!

Eure Moni

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